Veränderungen in der Schmerzverarbeitung bei Demenzpatienten: subjektive, mimische, motorische und vegetative Indikatoren




Professorship/Faculty: Physiological Psychology  
Authors: Kunz, Miriam
Alternative Title: The impact of dementia on pain processing: subjective, facial, motor, and autonomic indicators
Publisher Information: Bamberg : opus
Year of publication: 2006
Pages / Size: VII, 226 Bl. : Ill., graph. Darst.
Supervisor(s): Lautenbacher, Stefan
Language(s): German
Remark: 
Bamberg, Univ., Diss., 2006
Licence: German Act on Copyright 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus-931
Document Type: Doctoralthesis
Abstract: 
Aus klinischen Studien ist bekannt, dass Demenzpatienten weniger Schmerzmittel erhalten und weniger über Schmerzen berichten als kognitiv unbeeinträchtigte Personen gleichen Alters. Hieraus ergibt sich die Frage, inwieweit die Demenz Einfluss auf das Schmerzerleben und die Schmerzkommunikation nimmt. Dieser Frage nachzugehen, war das Ziel der vorliegenden Studie. 20 Demenzpatienten, 40 Personen mit einer Leichten Kognitiven Beeinträchtigung (LKBler) und 40 ältere Kontrollpersonen nahmen an der Studie teil. Es wurden die verbalen (Kategorialskala), mimischen (Facial Action Coding System), vegetativen (Herzratenreaktion) und reflektorischen Schmerzreaktionen (nozizeptiver RIII-Reflex) auf mechanische und elektrische Schmerzreize erfasst. Wir untersuchten ebenfalls 40 jüngere Kontrollprobanden, um den Einfluss des Alters auf die Schmerzverarbeitung mit demenzbedingten Veränderungen vergleichen zu können. Demenzbedingte Veränderungen: Es ergaben sich keine Gruppenunterschiede bezüglich der verbalen Schmerzbewertung der Reize, jedoch interferierte die Demenz deutlich mit der Fähigkeit zum verbalen Schmerzbericht (ein Großteil der Demenzpatienten hatte Schwierigkeiten die dargebotenen Reize zu bewerten). Die Analyse der Mimikreaktion ergab, dass Demenzpatienten bei vergleichbaren Reizstärken mimisch stärker reagierten. Interessanterweise war dieser Anstieg in den mimischen Schmerzreaktionen nicht auf einen unspezifischen Anstieg aller möglichen mimischen Akte zurückzuführen, sondern die mimische Schmerzreaktion der Demenzpatienten war genauso spezifisch wie die Mimikreaktion der älteren Kontrollprobanden. Die Schwelle des RIII Reflexes zeigte sich bei den Demenzpatienten signifikant vermindert. Bezüglich der Herzratenreaktion ergaben sich keine signifikanten Gruppenunterschiede. Die demenzbedingten Veränderungen ließen sich in abgeschwächter Form bereits bei den LKBlern nachweisen. Altersbedingte Veränderungen: Die altersbedingten Veränderungen in den Schmerzreaktionen unterschieden sich deutlich von den demenzbedingten Veränderungen. Folglich scheinen Alter und Demenz qualitativ unterschiedliche Einflüsse auf die Schmerzverarbeitung zu nehmen. Insgesamt weisen unsere Daten beunruhigenderweise in die Richtung, dass das Erleben von Schmerz im Verlauf der Demenz möglicherweise verstärkt wird. Klinisch betrachtet legen unsere Daten die Gefahr einer therapeutischen Unterversorgung von Demenzpatienten nahe, die ihre Ursache vermutlich in der eingeschränkten Fähigkeit zur Schmerzkommunikation hat.

Clinical studies, suggesting a less frequent pain report and a reduce prescription of analgesic medication in patients with dementia, have raised the question whether pain perception changes across the course of dementia. The aim of the present study was to investigate the impact of dementia on pain perception and pain communication. 20 demented patients (with Alzheimer and vascular dementia), 40 patients with mild cognitive impairment and 40 cognitive unimpaired elderly controls were investigated for their subjective (category scale), facial (FACS), autonomic (heart rate) and motor (nociceptive flexion reflex) responses to mechanically and electrically induced pain. We also investigated 40 young subjects (20 - 40 years old) in order to compare age-related changes in pain responses to dementia-specific changes. Dementia-related changes: No group differences with regard to self-report ratings were found (though dementia interfered substantially with the subjects´ ability to provide self-report ratings of pain). In contrast, facial responses to pain were significantly increased in demented patients. Interestingly, this increase was not due to an unspecific enhancement of facial responses, since the facial expression of pain was as pain specific in demented patients as in healthy controls. We also found group differences regarding the nociceptive flexion reflex, with demented patients showing a significantly reduced reflex threshold. Heart rate responses did not differ between groups. These dementia-related changes were also seen (to a lesser extent) in the patients with mild cognitive impairment. Age-related changes: The age-related changes in pain responses differed considerably from the dementia-related changes, thus suggesting that age and dementia have qualitative different impacts on pain processing. The increased facial expression of pain as well as the decreased nociceptive flexion reflex threshold point to increased pain sensitivity in demented patients. Against the clinical background of a reduced prescription of pain medication in demented patients, our data suggest the danger of an undertreatment of pain in this patient group, probably due to the limited ability of demented patients to communicate pain.
SWD Keywords: Schmerzforschung / Senile Demenz / Alter / Mimik / Schmerz / Alzheimer-Krankheit / Online-Publikation
Schmerzforschung ; Senile Demenz ; Alter ; Mimik ; Schmerz ; Alzheimer-Krankheit ; Online-Publikation
Keywords: Schmerz , Schmerzforschung , Alzheimer-Krankheit , Demenz , Mimik , Alter , mimischer Schmerzausdruck, Facial expression of pain, Schmerz, Schmerzforschung, Alzheimer-Krankheit, Demenz, Mimik, Alter, mimischer Schmerzausdruck,
DDC Classification: 150 Psychology 
RVK Classification: YH 5400   
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/93
Release Date: 19. April 2012

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