Therapeutische Beziehung und Interaktion bei Panikstörung und Agoraphobie. Eine Serie von sieben Einzelfallanalysen




Professorship/Faculty: Fakultät Humanwissenschaften: Abschlussarbeiten 
Author(s): Leyh, Miriam
Publisher Information: Bamberg : opus
Year of publication: 2013
Pages / Size: IX, 293 S. : Ill., graph. Darst.
Supervisor(s): Reinecker, Hans
Year of first publication: 2012
Language(s): German
Remark: 
Bamberg, Univ., Diss., 2012
Licence: German Act on Copyright 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-11201
Document Type: Doctoralthesis
Abstract: 
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss
therapeutische Beziehung und Interaktion auf den Therapieerfolg bei der
kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung der Panikstörung und
Agoraphobie nehmen.
Im Überblick über wesentliche Literatur konnte ein Zusammenhang zwischen
der Einschätzung der therapeutischen Allianz, insbesondere aus Sicht des
Patienten, und dem Therapieerfolg hergestellt werden (u. a. Horvath &
Symonds, 1991; Martin et al., 2000). Spezifisch für Angststörungen wurde
jedoch die Bedeutung von aktiver Teilnahme und Zielorientierung gegenüber
der therapeutischen Beziehung festgestellt. Bei der gegenseitigen Interaktionssteuerung
wurde von Schindler (1991) die Bedeutung der Kooperationssequenz
herausgestellt, die stellvertretend für produktives therapeutisches Arbeiten ist.
Anschließend wurde eine Sequenz von Einzelfallanalysen durchgeführt. Bei
sieben Therapien wurden die ersten acht Sitzungen analysiert, wobei subjektive
Daten zur Einschätzung der Stunde sowie die gegenseitige Personenbeurteilung
aus der Sicht von Therapeut und Patient erhoben wurden und die
Sitzungen mit Hilfe von systematischer Verhaltensbeobachtung analysiert
wurden. Aus jeder Sitzung wurden 30 Minuten transkribiert und anschließend
mit dem Codiersystem zur Interaktion in der Psychotherapie (CIP) kodiert. Alle
Patienten erfüllten die Kriterien einer Panikstörung und/oder Agoraphobie. Nach
der Bestimmung des Therapieerfolges wurden die Therapien individuell
miteinander verglichen.
Insgesamt wurden drei Therapien erfolgreich abgeschlossen, es handelte sich
hierbei um reine Angststörungen ohne Komorbidität, bei drei Therapien wurde
der Erfolg im Studienzeitraum als „teilweise erfolgreich“ eingeschätzt, hier lagen
in zwei Fällen zu Therapiebeginn komorbide weitere Störungen vor, in einem
Fall hatte sich durch Symptomverschiebung ein neues Störungsbild entwickelt.
Eine Therapie wurde nach zwei Sitzungen abgebrochen.
Zusammenfassend stellt sich bei der Interpretation der Ergebnisse heraus, dass
die Stundenbewertung des Patienten entgegen der Erwartung und vorheriger
Ergebnisse (Kaimer et al., 1989; Schindler, 1991) nicht eindeutig zwischen
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erfolgreichen und weniger erfolgreichen Therapien unterscheidet; als Grund
werden die geringen Unterschiede zwischen den Therapien vermutet. Bei der
Stundenbeurteilung des Therapeuten werden Antworttendenzen als Erklärung
herangezogen, weshalb sich entgegen der Erwartung nur zwischen Therapien
des gleichen Therapeuten kein Unterschied findet, jedoch nicht beim Vergleich
unterschiedlicher Therapeuten. Weiterhin scheint ein nondirektives Vorgehen
des Therapeuten in der untersuchten Anfangsphase der Therapie bei
Panikstörung und Agoraphobie hilfreich zu sein (Keijsers et al., 1995). Darüber
hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen der Einschätzung der
„Selbstöffnung“ und „Mitarbeit“ des Patienten und dem Therapieerfolg,
eingeschätzt durch den Therapeuten, im Gegensatz zur „Sympathie“ des
Patienten, was die Bedeutung von aktiver Teilnahme an der Therapie im
Vergleich zur therapeutischen Beziehung bei Panikstörung und Agoraphobie
verdeutlicht (Ramnerö & Öst, 2007).
Bei den Verhaltensweisen des Therapeuten scheint Unterstützung über ein
gewisses Maß hinaus nicht zusätzlich hilfreich in der Therapie der Panikstörung
und Agoraphobie zu sein. Weiterhin finden sich entgegen der Ergebnisse aus
bisherigen Studien keine Unterschiede im Auftreten von Einfachen Antworten,
Problembeschreibung, Mitarbeit/Initiative, Änderungsberichte und Hemmendem
Verhalten des Patienten zwischen Therapien mit unterschiedlichem Erfolg;
hierbei werden Spezifika der untersuchten Therapien als Grund herangezogen.
Die Kooperationssequenz, die produktives therapeutisches Verhalten
repräsentiert, unterscheidet in der vorliegenden Studie nicht zwischen
Therapien mit unterschiedlichem Erfolg. Hierbei wird vermutet, dass eine
gewisse Basisrate von therapeutischem Verhalten notwendig ist, entscheidende
therapeutische Prozesse, die über den Erfolg der Therapie bestimmen, aber
erst in späteren Phasen stattfinden.
Insgesamt konnten also viele Befunde aus vorherigen Studien (insbesondere
Kaimer et al., 1989; Schindler, 1991; Brandl, 2005) nicht bestätigt werden. Als
Ausblick für weitere Forschung wurden insbesondere die Untersuchung von
späteren therapeutischen Phasen, mehreren Therapien des gleichen
Therapeuten sowie die Replikation der Befunde anhand von weiteren
Einzelfallanalysen angeregt.
SWD Keywords: Agoraphobie ; Kognitive Verhaltenstherapie ; Psychotherapeut ; Klient ; Fallstudie ; Online-Publikation
Paniksyndrom ; Kognitive Verhaltenstherapie ; Psychotherapeut ; Klient ; Fallstudie ; Online-Publikation
Keywords: Therapeutische Beziehung, Panikstörung und Agoraphobie, Interaktion in der Psychotherapie
DDC Classification: 150 Psychology 
RVK Classification: CU 8500   
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/595
Release Date: 28. October 2012

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