Reduzieren! Aber wie? : Eine politikwissenschaftliche Betrachtung von Anreizsystemen zur Reduktion von Treibhausgasen





Faculty/Professorship: Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften: Abschlussarbeiten ; Public Policy  
Author(s): Bothner, Fabio
Publisher Information: Bamberg : Otto-Friedrich-Universität
Year of publication: 2022
Pages: 192 ; Illustrationen, Diagramme
Supervisor(s): Rixen, Thomas; Gerrits, Lasse
Language(s): German
Remark: 
Kumulative Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2022
DOI: 10.20378/irb-53740
Licence: Creative Commons - CC BY-NC-ND - Attribution - NonCommercial - NoDerivatives 4.0 International 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-irb-537405
Abstract: 
Nach Einschätzung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist dieses Jahrzehnt entscheidend im Kampf gegen die globale Erderwärmung. So muss die Spitze des jährlichen Treibhausgasausstoß (THG-Ausstoß) im Zeitraum von 2020-2030 erreicht werden, damit die Staatengemeinschaft noch eine reelle Chance hat, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen (Intergovernmental Panel on Climate Change 2014, 2018). Auch wenn mit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls und des Pariser Übereinkommens einige politische Erfolge erzielt werden konnten, halten sich die tatsächlichen Auswirkungen auf den THG-Ausstoß in Grenzen. Berechnungen des Global Carbon Project zeigen einen Anstieg der jährlichen fossilen CO2-Emissionen im Zeitraum von 1990-2020 um 53 Prozent (Friedlingstein et al. 2021). Es zeigt sich ein kontinuierlicher Anstieg der jährlichen Emissionen der bisher nur durch globale Events, wie die Finanzkrise 2008 oder die COVID-19-Pandemie, gebrochen werden konnte (Global Carbon Project 2021). Auch wenn der fossile CO2-Ausstoß 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie um ca. 5.4 Prozent gesunken ist, geben neuerliche Daten wenig Anlass zur Hoffnung, dass hierdurch eine Trendwende eingeleitet wurde. So lag der jährliche Ausstoß bereits 2021 wieder nahezu auf Vorkrisenniveau (Friedlingstein et al. 2021: 5). In den kommenden Jahren muss die Staatengemeinschaft daher große Anstrengungen unternehmen, um das 1,5°C-Ziel nicht zu verfehlen (Höhne et al. 2020).

Während weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass die THG-Emissionen reduziert werden müssen, besteht innerhalb der Politik wie auch der Forschung eine Debatte darüber wie die notwendige THG-Reduktion zu erreichen ist. Neben Regulierungen und Verboten greifen Regierungen immer öfter auf sogenannte Anreizsysteme zurück. Ziel dieser Systeme ist die Induktion einer THG-Reduktion durch monetäre Anreize. Die gängigsten Vertreter dieser Kategorie sind die CO2e-Steuer sowie der Emissionshandel. Darüber hinaus haben sich jedoch neben diesen beiden populären Systemen auch eine Vielzahl an experimentellen Anreizsystemen entwickelt, die unter dem Label „Personal Carbon Trading“ (PCT) subsumiert werden können. Im Gegensatz zu CO2e-Steuer und Emissionshandelssystem (EHS), adressiert PCT direkt die Mikroebene und damit den Fußabdruck von Privatpersonen bzw. privaten Haushalten. Da Haushalte mit ihrem Konsumverhalten für etwa 72 Prozent der globalen THG-Emissionen verantwortlich sind (Hertwich und Peters 2009), scheint PCT eine überlegenswerte Alternative zu den gängigen Anreizsystemen zu sein. Der internationalen Gemeinschaft stehen somit verschiedene Optionen zur THG-Reduktion zur Verfügung. Welche dieser Optionen gewählt werden, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Während insbesondere die naturwissenschaftliche Forschung die Effektivität der einzelnen Optionen diskutiert, nimmt diese Dissertation eine politikwissenschaftliche Sichtweise ein. Im Fokus steht dabei die politische Umsetzbarkeit von Klimaschutzmaßnahmen insbesondere Anreizsystemen. Die Dissertation wendet sich dabei der folgenden Hauptforschungsfrage zu:

Unter welchen Bedingungen sind Akteure bereit Klimaschutzmaßnahmen zu etablieren und mit welchen politischen Barrieren sehen sich diese konfrontiert?

Da es sich um eine kumulative Dissertation handelt, die auf verschiedenen Analyseebenen agiert (wie im Folgenden noch dargestellt wird), ergeben sich in Bezug auf die einzelnen Artikel weitere Forschungsfragen:

1. Welche Eigenschaften von Klimaschutzmaßnahmen begünstigen deren Umsetzung durch private Haushalte?
2. Welche politischen Barrieren verhindern die Einführung eines Personal Carbon Trading Systems (PCTS)?
3. Unter welchen Umständen sind Nationalstaaten dazu bereit eine CO2-Steuer einzuführen?

Um die dargelegten Forschungsfragen zu ergründen, gliedert sich die Dissertation in drei Teilbereiche. Der erste Teilbereich nimmt die Mikroebene in den Fokus und untersucht die Klimaschutzpräferenzen privater Haushalte. Der zweite und dritte Teilbereich widmet sich politischen Barrieren für die Umsetzung von Anreizsystemen. Dabei wird ein Fokus auf das relativ neue Instrument des PCT und die CO2e-Steuer gelegt. Mit der Beantwortung der dargelegten Fragestellungen möchte diese Dissertation nicht nur einen wissenschaftlichen, sondern auch einen praktischen Beitrag leisten, indem sie aufzeigt, mit welchen Problemen und politischen Hindernissen sich Entscheidungsträger/innen konfrontiert sehen und unter welchen Bedingungen die Umsetzung von Anreizsystemen günstig ist.
GND Keywords: Treibhausgas; Emissionsverringerung; Anreizsystem
Keywords: Klimapolitik, Anreizsysteme, Multiple-Streams-Ansatz, Personal Carbon Trading
DDC Classification: 320 Political Science  
RVK Classification: MF 9150   
Type: Doctoralthesis
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/53740
Release Date: 6. May 2022

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