Die Produktivität und Akzeptabilität von Neologismen im Verblexikon des Kurdischen : eine korpusbasierte Untersuchung





Faculty/Professorship: Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften: Abschlussarbeiten ; University of Bamberg  
Faculty/Professorship: University of Bamberg  
Author(s): Incekan, Abdullah
Alternative Title: The productivity and acceptability of neologisms in the verbal lexicon of Kurdish: a corpus-based study
Publisher Information: Bamberg : Otto-Friedrich-Universität
Year of publication: 2020
Pages: 205, 21, 9, 12
Supervisor(s): Haig, Geoffrey  
Year of first publication: 2018
Language(s): German
Remark: 
Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2018
DOI: 10.20378/irb-47265
Licence: Creative Commons - CC BY - Attribution 4.0 International 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-irb-472654
Abstract: 
This dissertation investigates the question of how written Kurmanji Kurdish is developing in the absence of national institutional support, or a unified and widely acknowledged standardization authority. Despite the lack of a corresponding executive body, Kurmanji Kurdish has nevertheless developed several written genres and is represented by publishing houses in several countries, and a thriving online presence. It thus provides an excellent object of study for observing self-organizing processes in the ʻstandardizationʼ (or at least in the levelling of differences) across a written language in the internet era. The dissertation focusses on the manner in which the verbal lexicon, traditionally dominated by complex predicates, has recently been expanded by lexicographers and other independent language stakeholders, and how these innovations are perceived and deployed by native speakers / writers.
In the first two chapters, the major issues in Kurdish language planning are discussed and the relevant theoretical concepts laid out. The question is also raised as to whether ʻStandardizationʼ, the currently dominant paradigm in the literature on Kurdish, is an adequate framework, and whether it would be more appropriate to consider it as a case of Koiné-creation. Chapter three provides an overview of word-formation in Kurdish, a topic that has generally been neglected in the linguistic literature.
Chapter 4 presents the empirical core of the study, involving two related In a pilot study, a set of candidate neologisms was evaluated by a group of native speakers. In a second study, a sub-set of neologisms was investigated in a one-million-word corpus of current contemporary literary Kurmanji in order to identify patterns of usage. The corpus has been compiled as part of the study, and is available as an online resource.
It emerged from the first study that native speakers vary enormously in their familiarity with, and attitude towards, the neologisms. It can be provisionally concluded that the coining of neologisms is an relatively random process, often reflecting individual taste and language biographies, and they hence elicit equally varied responses in the readers. With regard to patterns of usage, it was shown that very few of the proposed neologisms have achieved broad acceptance across all authors sampled, though certain tendencies can be observed. However, these results need to be verified against a larger corpus.
This is the first study that applies corpus-based methods in the investigation of written Kurdish. The results indicate that the standardization process, which continues to be a focus of much of Kurdish scholarship, is far more complex and random than has previously been assumed, and standardization efforts do not yield predictable results. It is hoped that this dissertation will stimulate more evidence-based research on this aspect of written Kurdish in the future, and also contribute towards corpus-building efforts.

Die im Dezember 2018 unter dem Titel „Die Produktivität und Akzeptabilität von Neologismen im Verblexikon des Kurdischen: eine korpusbasierte Untersuchung“ an der Universität Bamberg abgeschlossene Dissertation von Abdullah Incekan geht der Frage nach, inwiefern nicht-staatliche Akteure tatsächlich sprachplanerische Maßnahmen implementieren können und inwiefern ihre Bemühungen im tatsächlichen Sprachgebrauch auf Akzeptabilität stoßen. Die vorliegende Arbeit geht über bisherige Studien zu dem 'emergent standard' (Haig 2001) hinaus, die sich weitestgehend auf die Besprechung des ideologischen Hintergrunds beschränken oder aber selbst normativ am Diskurs beteiligen. Die vorliegende Studie versteht sich als Versuch, dieses Teilgebiet der Sprachplanung mittels empirischer Methoden zu beleuchten. Es mag vielleicht ein wenig dazu beitragen, dass ein evidenzbasierter Ansatz tatsächlich im diesbezüglichen Diskurs Einzug erhält.
In der Dissertation wird davon ausgegangen, dass die kurdische Gesellschaft seit mehreren Jahrzehnten auf vielen Ebenen einen Transformationsprozess durchlebt. Die Auswanderung der Kurden aus dem ländlichen Gebiet dauert seit mehreren Dekaden ununterbrochen an. Auch wenn die Gründe hierfür unterschiedlich sind, bleiben die Auswirkungen auf sprachlicher Ebene sehr eindeutig: Die Kurdischsprecher sind mobiler geworden und durchbrechen deshalb regionalbedingte Unterschiede. Und deshalb versucht die kurdische Sprachgemeinschaft Einfluss auf ihre Sprache zu nehmen - durch mehr oder weniger gesteuerte und koordinierte Maßnahmen. Diese Maßnahmen führen dazu, dass eine Standardisierung des Kurdischen zunehmend bewirkt wird, welche seit langem ein erklärtes Ziel kurdischsprachiger Intellektueller ist.
Eine staatliche Instanz, die Standardisierungsaufgaben übernehmen könnte, fehlt bis dato. Deshalb finden diese Bemühungen gewissermaßen in einem rechtlichen Niemandsland statt und sind folglich schwerer zu fassen und zu bewerten, als die besser bekannten Fälle von Sprachplanungen.
In der Arbeit wird exemplarisch ein Bereich des Lexikons untersucht, an dem nachweislich unterschiedliche Akteure versuchen auf die Sprachentwicklung Einfluss zu nehmen. Es handelt sich um den Bereich des Verblexikons, das im traditionellen Kurmancî bekanntlich relativ arm ist – zumindest an einfachen Verballexemen.
Gegenstand der Arbeit ist es, die Bildungsmuster selbst zu beleuchten, aber vor allem der Frage nachzugehen, inwiefern diese Neologismen innerhalb der Sprachgemeinschaft
(a) als verständlich und gebräuchlich empfunden werden und
(b) in der heutigen Schriftsprache Verwendung finden.
In dem ersten der sich aus fünf Kapiteln zusammensetzenden Dissertation wird dieses Vorhaben und die Fragestellung erläutert.
In dem zweiten Kapitel behandelt Incekan die soziopolitischen Rahmenbedingungen des Kurmancî-Kurdischen (2.1) und bespricht ausgehend von theoretischen Konzepten der Koiné-Bildung (2.2) sowie der klassischen Arbeiten zur Sprachplanung, wie z.B. von Haugen, ausführlich die Standardisierung von Kurmancî. Daran anschließend (2.3) stellt er neuere Ansätze zur Sprachplanung, so z.B. die durch Schiffman unter dem Begriff linguistic culture behandelten Aspekte der Sprachpolitik, dar und wendet sie auf das Kurmancî-Kurdische an. Im dritten Kapitel (3.) wird die Wortbildung des Kurmancî-Kurdischen, insbesondere die Bildungsmuster der Verben (3.3-3.5) ausführlich dargestellt, um eine Analyse dieser Neologismen vornehmen zu können.
Um die oben angegebene zweite Teilfrage, bei der es um die Verwendung dieser Neologismen in der heutigen Schriftsprache geht, wurde im Rahmen der Dissertation hierfür eigens ein umfassendes digitales Korpus des modernen Kurdischen erstellt, anhand dessen sowohl qualitative als auch quantitative Aspekte des Neologismusgebrauchs untersucht wurden. Unter 4.1 werden die Daten und die Methode dargestellt. Um der Fragestellung gerecht zu werden, wurde aus dem Wörterbuch Kurdish-English/English-Kurdish von Rizgar alle einfachen Verben (813) zusammengetragen und hinsichtlich ihrer Verständlichkeit und Bekanntheit durch Incekan bewertet. Die Analyse der auf diesem Wege entstandenen 294 Verben erfolgt im Unterkapitel 4.4. Davor wird jedoch die korpusbasierte Forschung als eine Methode in dem vierten Kapitel (4.1- 4.2) historisch eingeordnet und wissenschaftlich begründet. In diesem Kapitel erfolgt außerdem die Beschreibung der Vorgehensweise der Probanden (4.3), die die 294 Neologismen hinsichtlich ihrer Verständlichkeit und Bekanntheit bewerten. Im Kapitel 4.4 werden anschließend die zehn bestberwerteten sowie die am schlechtesten bewerteten Verben exemplarisch im Korpus untersucht und ihre Ergebnisse dargestellt.
Im letzten Kapitel, im Kapitel 5, werden die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt. Demnach werden 2/3 der Neologismen als fremd betrachtet und sie sind nicht im Sprachgebrauch der Muttersprachler. Diese Ergebnisse werden durch die Korpusuntersuchung ebenfalls wiederspiegelt. Bei der Arbeit kommt Incekan zu dem Schluss, dass die sprachplanerischen Arbeiten nur sehr bedingt ihr Ziel erreichen.
Das von Incekan als Corpus of Contemporary Written Kurdish (CCWK) betitelte Korpus wird an der Universität Bamberg online verfügbar sein, so dass Interessenten damit Untersuchungen vornehmen können.
GND Keywords: Kurdisch; Verb; Neologismus
DDC Classification: 490 Other languages  
RVK Classification: EV 2580   
Type: Doctoralthesis
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/47265
Release Date: 28. April 2020

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