Zusammenhänge zwischen sprachlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen - Längsschnittliche Analysen im Entwicklungsverlauf von der frühen Kindheit bis zur Sekundarstufe





Professorship/Faculty: Developmental Psychology  ; Fakultät Humanwissenschaften: Abschlussarbeiten 
Author(s): Rose, Elisabeth
Publisher Information: Bamberg : opus
Year of publication: 2019
Pages: VIII, 213 ; Illustrationen
Supervisor(s): Weinert, Sabine  
Language(s): German
Remark: 
Kumulative Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2019
DOI: 10.20378/irbo-54763
Licence: Creative Commons - CC BY - Attribution 4.0 International 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-547630
Abstract: 
Das Bewusstsein über gemeinsame Entwicklungslinien sprachlicher und sozial-emotionaler Kompetenzen ist nicht nur für die Forschung von Bedeutung, sondern bringt auch viele Anregungen für angrenzende Praxisfelder mit sich. Obwohl Fragestellungen, die sich mit dem Zusammenspiel sprachlicher und sozial-emotionaler Kompetenzen beschäftigen, zunehmend Beachtung finden, fokussieren die meisten dieser Studien spezifische Risikogruppen, wie Kinder mit spezifischen Sprachentwicklungsstörungen oder Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen oder Bildungshintergrund. Die genauen längsschnittlichen Wirkbeziehungen zwischen diesen beiden Aspekten der kindlichen Kompetenzentwicklung sind für den typischen Entwicklungsverlauf kaum erforscht. Der erste Teil dieser kumulativen Dissertation hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Entwicklungszusammenhänge zwischen sprachlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen anhand der Längsschnittstudie BiKS-3-13 genauer zu beleuchten und untersucht (a) die Wirkrichtung zwischen sprachlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen,(b) die Rolle rezeptiver im Vergleich zu produktiven sprachlichen Kompetenzen für die Ausbildung sozial-emotionaler Kompetenzen und (c) Geschlechtsunterschiede in diesen Zusammenhängen.
Die erste Studie adressierte die Frage nach der Wirkrichtung zwischen der Entwicklung sprachlicher und sozial-emotionaler Kompetenzen für den typischen Entwicklungsverlauf vom vierten bis zum achten Lebensjahr. Befunde im klinischen Bereich legen eine spezifische Wirkrichtung von frühen sprachlichen Einschränkungen hin zur Ausbildung sozial-emotionaler Folgeprobleme nahe. In Studie 1 wurde geprüft, ob sich diese spezifische Wirkrichtung auch mit Blick auf den typischen Entwicklungsverlauf zeigt oder ob sich bidirektionale Beziehungen zwischen der Entwicklung sprachlicher und sozial-emotionaler Kompetenzen finden, da die soziale Interaktion – laut einiger Theoretiker – die zentrale Grundlage für den Spracherwerb bildet. Als Hauptbefund ist zu nennen, dass die frühen sprachlichen Kompetenzen veränderungsprädiktiv für die Ausbildung von drei Kernelementen sozial-emotionaler Kompetenzen – dem kooperativen Umgang mit anderen, der emotionalen Selbstregulation und der Reduktion physischer Aggressivität – waren. Obwohl sich auf korrelativer Ebene wechselseitige Beziehungen zwischen sprachlichen und
sozial-emotionalen Kompetenzen fanden, bildeten diese drei Aspekte der frühen sozial-emotionalen Kompetenzen – unter Berücksichtigung der sprachlichen Kompetenzen im Alter von drei Jahren sowie relevanter Kontrollvariablen – keinen bedeutsamen Prädiktor für die Ausbildung der sprachlichen Kompetenzen über den betrachteten Zeitraum von vier Jahren.
Auf Grundlage dieses zentralen Befundes setzte sich Studie 2 mit der Frage auseinander, ob den rezeptiven oder den produktiven sprachlichen Kompetenzen eine bedeutsamere Rolle für die Ausbildung ebendieser drei Aspekte sozial-emotionaler Kompetenzen zu-kommt und nahm dabei Geschlechterunterschiede mit in den Blick. Dabei verdeutlichte Studie 2, dass die rezeptiven und produktiven sprachlichen Kompetenzen weniger für einen spezifischen Aspekt der Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen prädiktiv sind, sondern vielmehr, dass sich die Befunde in Abhängigkeit des Geschlechts verändern: Während bei den Jungen das Sprachverständnis ein bedeutsamer Prädiktor für alle drei Teilaspekte der sozial-emotionalen Entwicklung war, zeigten sich bei den Mädchen die produktiven sprachlichen Kompetenzen als relevanter für die Ausbildung dieser sozial-emotionalen Kompetenzen.
Der zweite Teil dieser Dissertation befasst sich mit möglichen zugrunde liegenden Vermittlungsmechanismen und Erklärungsansätzen für die Effekte der frühen sprachlichen Kompetenzen auf die Ausbildung der sozial-emotionalen Kompetenzen und untersuchte (a) die Rolle der sprachlichen Anregung durch die Eltern (Home Literacy Environment), (b) die Beziehungen zu Gleichaltrigen und (c) den feindseligen Attributionsfehler, der Ten-denz (insbesondere aggressiver Kinder), uneindeutige soziale Situationen als feindselig zu interpretieren. In Studie 3 konnte gezeigt werden, dass eine gute sprachliche Anregung nicht nur positiv mit den sprachlichen Kompetenzen der Kinder in Verbindung steht (dies belegten bereits viele Studien), sondern auch die Entwicklung des kooperativen Verhaltens und der emotionalen Selbstregulation begünstigt und aggressives Verhalten reduziert. Der Zusammenhang zwischen der sprachlichen Anregung im Alter von drei Jahren und dem kooperativen sowie aggressiven Verhalten im Alter von acht Jahren wurde über die sprachlichen Kompetenzen der Kinder im Alter von fünf Jahren vermittelt. Die emotionale Selbstregulation schien hingegen weniger durch die sprachliche Anregung als vielmehr direkt durch die sprachlichen Kompetenzen begünstigt zu werden. Studie 4 betrachtete nicht nur die zwei weiteren der genannten Vermittlungsmechanismen, sondern nahm auch einen längeren Zeitraum in den Blick und bestätigte einen ähnlich langfristigen Effekt wie in klinischen Studien: Die sprachlichen Kompetenzen im Alter von drei Jahren waren prä-diktiv für die Entwicklung des aggressiven Verhaltens bis zum 14. Lebensjahr. Ausgehend von theoretischen Erklärungsansätzen wurde erstens untersucht, ob Kinder mit geringeren sprachlichen Kompetenzen häufiger zu Außenseitern werden und weniger positiven Kontakt zu Gleichaltrigen haben und darauf mit aggressivem Verhalten reagieren könnten. Diese Hypothese wurde nicht bestätigt. Zweitens wurde auf Grundlage der Theorie der sozialen Informationsverarbeitung angenommen, dass geringe sprachliche Kompetenzen einen Risikofaktor für den feindseligen Attributionsfehler darstellen, der wiederum mit aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht wird. Diese Hypothese wurde bestätigt.
Vor der genauen Darstellung und Diskussion dieser Studien arbeitet die vorgelegte Synopse die Entwicklungszusammenhänge zwischen sprachlichen und den drei im Blick stehen-den Kernbereichen sozial-emotionaler Kompetenzen – dem kooperativen Umgang mit an-deren und der emotionalen Selbstregulation sowie dem aggressiven Verhalten – heraus. Ausgehend von der Konzeptualisierung sowie der Darstellung von Meilensteinen der Entwicklung beider Kompetenzbereiche werden Theorien und Befunde zusammengefasst, anhand derer die Forschungsfragen dieser Arbeit abgeleitet werden.
SWD Keywords: Aggressivität ; Spracherwerb ; Sozialkompetenz ; affektive Entwicklung ; Längsschnittuntersuchung
Keywords: Sprachentwicklung, Sozial-emotionale Entwicklung, Längsschnittstudie, Aggressivität
DDC Classification: 150 Psychology  
RVK Classification: CQ 4000   CQ 5100   
Document Type: Doctoralthesis
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/45577
Year of publication: 31. May 2019

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