Elterliches Sprachangebot und vorschulischer Spracherwerb : eine empirische Analyse zu Zusammenhängen und sozialen Disparitäten




Professorship/Faculty: Developmental Psychology  
Author(s): Anderka, Angela
Publisher Information: Münster ; New York : Waxmann
Year of publication: 2018
Pages: 354 ; Illustrationen, Diagramme
ISBN: 978-3-8309-3726-5
Series ; Volume: Internationale Hochschulschriften ; Bd. 643
Supervisor(s): Weinert, Sabine  ; Roßbach, Hans-Günther
Language(s): German
Remark: 
Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2016
Abstract: 
Die vorliegende Arbeit ergänzt die bisherige Forschung zu Wirkfaktoren in der sprachlichen Umwelt für Kinder im Vorschulalter um längsschnittliche Analysen zu Merkmalen der Elternsprache und deren Zusammenhänge mit den grammatischen und lexikalischen Kompetenzen der Kinder. Darüber hinaus wurden in der Arbeit Fragestellungen zur Mediation sozialer Disparitäten für die Merkmale der Elternsprache alleine und im Zusammenhang mit einer Dimension der Literacy-Anregung behandelt. Dies ist vor dem Hintergrund relevant, dass inter-individuelle Unterschiede in Wortschatz- und Grammatikerwerb bereits im Alter von drei Jahren in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft feststellbar sind, die über die Kindergartenzeit hinweg relativ stabil bleiben (Weinert et al., 2010). Dabei wird nach wie vor die genaue Rolle der sprachlichen Umwelt v.a. beim Erwerb der Grammatik kontrovers diskutiert. Weiterhin ist umstritten, ob sich Eltern in ihrem Sprachangebot eng an die sich entwickelnden kindlichen Kompetenzen anpassen oder ob Kinder vor allem auch von einem vergleichsweise komplexen Sprachangebot profitieren (Huttenlocher et al., 2002). Auf der Basis der Daten von 66 Eltern, deren Sprache im Rahmen einer halb-standardisierten Eltern-Kind-Interaktionen zu drei Messzeitpunkten erfasst und in Beziehung zu den Ergebnissen ihrer Kinder in Grammatik- und Wortschatztests gesetzt wurde, zeigt sich, dass sich die Eltern in ihrem Sprachangebot nicht an die zunehmenden grammatischen und lexikalischen Kompetenzen ihrer Kinder im Alter zwischen 4;6 und 5;6 Jahren anpassen. Dabei ist eine relativ hohe Stabilität der interindividuellen Unterschiede zwischen den Eltern hinsichtlich ihrer sprachlichen Merkmale zu beobachten und es finden sich soziale Disparitäten zu allen drei Messzeitpunkten, die sich nicht über die Zeit vergrößern. Ergebnisse zur Vorhersage des Grammatikerwerbs der Kinder im Alter von 5;0 bis 5;11 Jahren bestätigen und ergänzen Befunde von Studien aus dem englisch-sprachigen Raum. Sie zeigen Effekte komplexer Elternsprache auf den Grammatikerwerb in diesem Alter und machen zudem deutlich, dass auch die Dauer der Interaktion sich als prädiktiv für den Grammatikerwerb erweist. Hinsichtlich lexikalischer Kompetenzen lässt sich dies auf Basis der erfassten Merkmale hingegen nicht belegen.
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Arbeit stellt der beobachtete partielle Mediationseffekt der Elternsprache auf den Grammatikerwerb dar. Es zeigt sich, dass die Elternsprache hinsichtlich ihrer syntaktischen Komplexität und ihrer Dauer als partieller Mediator sozialer Disparitäten im Grammatikerwerb der Kinder in diesem Altersbereich fungiert. Im Zusammenhang mit einer Dimension der familiären Literacy-Anregung (Erfahrung mit Büchern) wird darüber hinaus deutlich, dass deren Effekte auf die syntaktisch komplexere Sprache in Bilderbuch-Interaktionen zurückzuführen sind. Dies unterstreicht für den Grammatikerwerb von Kindern im Vorschulalter zusätzlich die zentrale Rolle syntaktisch komplexer Elternsprache bei der Vermittlung sozialer Disparitäten. Abschließend ist festzuhalten, dass die Untersuchung des elterlichen Sprachangebots ein äußerst lohnenswertes Gebiet auch noch für Kinder im Vorschulalter darstellt. Die in der vorliegenden Arbeit in den im Schnitt nur sehr kurzen Interaktionen (unter 10 Minuten) aufgefundenen sozialen Disparitäten im elterlichen Sprachangebot und deren Effekte auf den Grammatikerwerb von Kindern im Vorschulalter machen deutlich, dass es bereichernd sein kann, diesen Bereich auch über einen längeren Zeitraum zu erfassen und um lexikalische Aspekte, wie das Vorkommen seltener und anspruchsvoller Wörter, zu erweitern, um möglichst umfassende Einblicke in die Bedingungen eines gelingenden Sprach-erwerbs zu erlangen und darauf aufbauend Förderkonzepte für Kinder aus bildungsfernen Familien zu konzipieren.
Keywords: Grammatikerwerb, soziale Disparitäten, Prädiktion, Mediation, elterliches Sprachangebot
Document Type: Doctoralthesis
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/42271
Year of publication: 1. February 2018