Wer wohnt hier eigentlich? Eine unzeitgemäße anthropologische Fussnote zu The Ethical function of Architecture




Professorship/Faculty: Philosophy  
Author(s): Düchs, Martin  ; Illies, Christian
Title of the Journal: Wolkenkuckucksheim : internationale Zeitschrift für Theorie und Wissenschaft der Architektur = Cloud-Cuckoo-Land = Vozdušnyj zamok
ISSN: 1430-3863
Corporate Body: momus Stiftung in cooperation with TU Berlin and Penn State College of Arts and Architecture
Publisher Information: Berlin : Technische Universität
Year of publication: 2017
Volume: 22
Issue: 36
Pages: 87-113
Language(s): German
URL: http://cloud-cuckoo.net/fileadmin/issues_en/iss...
Abstract: 
An welchen Menschen denkt eigentlich Karsten Harries bei seiner Vision einer menschengerechten Architektur, die er in The Ethical Function of Architecture entwickelt? In dem Buch will er sich nicht estlegen; er kritisiert zwar das gegenwärtige menschliche Selbstverständnis (mit Heidegger spricht er von einer heute dominierenden "seinsvergessenen“ Daseinsweise, aber es bleibt unbestimmt, auf welchen Menschen er stattdessen hofft. Vielleicht hat er keine konkrete Alternative vor Augen sondern hält Heidegger folgend gerade die offene, nicht festgelegte Struktur für die eigentliche Daseinsweise, die sich wegen dieser Offenheit auch nicht weiter in einer Anthropologie charakterisieren lässt. Die zentrale These unserer Überlegungen ist, dass sich durchaus mehr zu diesem erhofften Menschen sagen lässt. Ein kritisch reflektierter und erweiterter Rückgriff auf die Antike und insbesondere Aristoteles würde einer zukunftsweisenden Anthropologie eine Basis geben und zugleich Harries’ Überlegungen auf das Beste ergänzen. Denn mit Rückgriff auf die Antike lässt sich ein Verständnis des Menschen entwickeln, welches einerseits zentrale Aporien des gegenwärtigen Menschenbildes vermeidet. Andererseits verdeutlicht dieses Verständnis, warum Harries’ Gedanke eines Ethos, obgleich er zunächst illusionär und nostalgisch zu sein scheint, ganz im Gegenteil zukunftsweisen und wirklichkeitsnah sein könnte. Der mit Aristoteles sich neu deutende Mensch ist das solide Fundament für eine bessere Architektur: Er findet in sich die gerichtete Offenheit für einen sinnstiftenden Ethos, die Harries voraussetzen muss, um der Architektur einen Weg in die Zukunft zu eröffnen.
Unsere Überlegungen verstehen wir daher als eine (unzeitgemäße) anthropologische Fußnote zu einem großen Werk.
Keywords: Ethik, Moralphilosophie, Gebaute Umwelt, Verantwortung, Anthropologie
Peer Reviewed: Nein
International Distribution: Ja
Open Access Journal: Ja
Document Type: Article
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/41990
Year of publication: 6. June 2017