Bewertung strukturierter Schulungs- und Behandlungsprogramme




Professorship/Faculty: Lehrstuhl für Klinische Psychologie/Psychotherapie 
Author(s): Kulzer, Bernhard ; Hermanns, Norbert ; Hasche, Sven; Silbermann, Stephan; Thoma, S; Haak, Thomas
Corporate Body: DDG 47. Jahrestagung, 16.-19. Mai 2012, Stuttgart, Germany
Publisher Information: Bamberg : OPUS
Year of publication: 2017
Pages / Size: 1 pdf-Datei (1 S.)
Year of first publication: 2012
Language(s): German
DOI: 10.1055/s-0032-1314620
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-486863
Document Type: Other
Abstract: 
Einleitung: In Deutschland stehen eine Vielzahl von strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen für Typ-1- wie Typ-2-Diabetiker mit ganz unterschiedlichen Schulungsphilosophien, Inhalten, Methodik und Dauer zur Verfügung. Bisher gibt es keine Befragung der Anwender, wie sie die Qualität dieser unterschiedlichen Schulungsprogramme einschätzen. Im Rahmen der Versorgungsstudie „Primascope“ wurden daher Diabetologen von diabetologischen Schwerpunktpraxen (DSP) gebeten, die verschiedenen Programme zu bewerten. Da die die Zertifizierung der Programme durch die DDG und/oder das Bundesversicherungsamt (wichtig für die Zulassung für DMP-Programme) ein wesentliches Qualitätsmerkmal darstellt, erfolgt in dieser Arbeit werden nur die durch DDG oder Bundesversicherungsamt zertifizierten Programme betrachtet.

Methodik: Insgesamt wurden 1192 DSP zu einer Studienteilnahme eingeladen, 818 ausgefüllte Fragebogen konnten ausgewertet werden. In einem ersten Schritt wurde erfragt, ob das Schulungsprogramm bekannt ist, in einem zweiten Schritt eine Bewertung der Zufriedenheit mit dem Programm auf einer Skala von 0 (nicht zufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) abgegeben, wenn das Programm bekannt war.

Ergebnisse: In der Praxis wenden 24,8 der DSP=< als 4, 53,6=< als 6 und 75,3=< als 8 unterschiedliche Schulungsprogramme an. Am bekanntesten sind die ZI-Programme, die allerdings von den Anwendern eher kritisch bewertet werden: „Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2-Diabetiker, die nicht Insulin spritzen“ (Bekanntheit: 96,7%; Zufriedenheit: 4,5), „Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2-Diabetiker, die Insulin spritzen“ (96,7% –4,5), „Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2-Diabetiker, die Normalinsulin spritzen“ (93,2% –4,5), „Behandlungs- und Schulungsprogramm für intensivierte Insulintherapie“ (92,9% –4,4). Am wenigsten bekannt sind die Programme „Diabetes im Gespräch“ (12,5% –6,6), „Diabetes und Verhalten“ (25,1% –7,2) und „BGAT“ (28,5% –6,7). Am besten bewerten die Anwender die Programme „MEDIAS ICT“ (68,5% –8,1), „MEDIAS Basis“ (81,7% –8,0), „HYPOS“ (63% –7,5), „Barfuss“ (42,9% –7,4), „Diabetes und Verhalten“ (25,1% –7,2) und „SGS“ (32,6% –7,0).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Diabetesschulung in DSP. Trotz der Zertifizierung weisen die verschiedenen Schulungs- und Behandlungsprogramme in der Praxis einen ganz unterschiedlichen Bekanntheitsgrad auf. Hier sind die bereits älteren und etablierten Programme deutlich im Vorteil, die einen sehr hohen Bekanntheits- und Verbreitungsgrad aufweisen. Auf der anderen Seite sind die Anwender gerade mit diesen Programmen eher unzufrieden. Vergleicht man die Programme, die von den Diabetologen deutlich besser eingeschätzt werden, so zeigt sich, dass diese eher modernen Schulungsphilosophien (Selbstmanagement) umsetzen, zielgruppengenauer und teilweise auch zeitlich umfangreicher sind.
Peer Reviewed: Ja
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/41616
Release Date: 18. January 2017

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