Depressionsscreening mit der Allgemeinen Depressionsskala (ADS) bei Diabetespatienten im stationären Setting




Professorship/Faculty: Clinical Psychology and Psychotherapy  
Authors: Schmitt, Andreas; Hermanns, Norbert ; Kulzer, Bernhard ; Gahr, Annika; Haak, Thomas
Corporate Body: DDG 48. Jahrestagung, 08.-11. Mai 2013, Leipzig
Publisher Information: Bamberg : OPUS
Year of publication: 2017
Pages / Size: 1 pdf-Datei (1 S.)
Source/Other editions: Ursprünglich in: Diabetologie und Stoffwechsel : offizielles Organ der Deutschen Diabetes-Gesellschaft 8 (2013) Supplement 1, P232
Year of first publication: 2013
Language(s): German
Licence: German Act on Copyright 
DOI: 10.1055/s-0033-1341892
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-484835
Document Type: Other
Abstract: 
Fragestellung: 25 – 30% aller Diabetespatienten haben eine erhöhte Depressivität. Etwa ein Drittel dieser Patienten weist eine klinische Depression entsprechend den ICD-10-Kriterien auf. Klinische Depressionen sind langfristig mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Kurzfristig führen depressive Störungen zu einem reduzierten Selbsthandlungsverhalten und einer schlechteren glykämischen Kontrolle. Allerdings werden Depressionen bei Menschen mit Diabetes häufig nicht erkannt, weshalb in den DDG-Praxisleitlinien ein Depressionsscreening empfohlen wird. Ziel dieser Studie war die Analyse der Screeningeigenschaften der deutschen Version des CES-D-Fragebogens, der Allgemeinen Depressionsskala (ADS).

Methodik: In einer stationären Diabeteseinrichtung wurde über 6 Monate ein Depressionsscreening mit der ADS durchgeführt. Patienten mit erhöhten Depressionswerten (ADS-Score > 16) wurden mittels eines diagnostischen Interviews nachuntersucht, um zu überprüfen, ob eine depressive Störung entsprechend den ICD-10 Kriterien vorlag. Zur Beurteilung der Screeningeigenschaften der ADS wurden die Fläche unter der Receiver Operating Characteristic (ROC) Curve berechnet und Sensitivität, Spezifität sowie positiver und negativer prädiktiver Wert bestimmt.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 1167 Patienten (Alter: 50 ± 15J.; 43% weibl.; BMI: 30 ± 7 kg/m2; 50% Typ-1 DM; Dauer: 15 ± 11J.; 90% mit Insulin; 61% mit Folgekrankheiten; HbA1c: 8,9 ± 1,7%) gescreent. 10,2% der Stichprobe litten aktuell unter einer klinischen depressiven Störung. Zusätzlich wiesen 15,6% eine subklinische Depression (ADS-Wert ≥23, Kriterien einer depressiven Störung jedoch nicht erfüllt) auf. Die ROC-Analyse ergab eine Fläche unter der Kurve von 0,90 (95% CI: 0,87 – 0,92), welche sehr gute Screeningeigenschaften anzeigt (p < 0,001). Anhand des Youden-Index wurde ein optimaler Cut-Off-Wert von > 23 ermittelt. Bei diesem Wert betrug die Sensitivität 81%, die Spezifität 83%. Der positive prädiktive Wert war 40%, der negative prädiktive Wert betrug 97%.

Schlussfolgerungen: Innerhalb dieser stationären Stichprobe war jeder zehnte Patient von einer klinischen Depression betroffen. Zusätzlich zeigte sich bei rund 16% der Patienten eine subklinische Depressionssymptomatik. Die ADS zeigte eine sehr gute Eignung als Depressionsscreeningverfahren: 81% aller depressiven Diabetiker konnten korrekt identifiziert werden, die Rate der falsch positiven Befunde betrug dagegen nur 17%. Bei Vorliegen eines positiven Screeningbefundens hatten 40% der Patienten tatsächlich eine klinische Depression. Angesichts der hohen Prävalenz depressiver Störungen ist es sinnvoll in einem Diabetes-Fachkrankenhaus, ein spezifisches Depressionsscreening durchzuführen. Die ADS ist neben dem WHO-5 ein Instrument, das sich hierfür sehr gut eignet.
Peer Reviewed: Ja
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/41485
Release Date: 21. December 2016

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