Negative Effekte von Depression auf die Diabetes-Selbstbehandlung werden möglicherweise durch eine reduzierte Krankheitsakzeptanz vermittelt



Professorship/Faculty: Clinical Psychology and Psychotherapy  
Authors: Schmitt, Andreas; Reimer, Andre; Hermanns, Norbert ; Haak, Thomas; Kulzer, Bernhard
Publisher Information: Bamberg : OPUS
Year of publication: 2017
Pages / Size: 1 pdf-Datei (1 S.)
Source/Other editions: Ursprünglich in: Diabetologie und Stoffwechsel : offizielles Organ der Deutschen Diabetes-Gesellschaft 9 (2014) Supplement 1, P253
Year of first publication: 2014
Language(s): German
Licence: German Act on Copyright 
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-483626
Document Type: Other
Abstract: 
Fragestellung: Eine komorbide Depression ist bei Diabetes mit einer reduzierten Selbstbehandlung assoziiert. Es ist jedoch unklar, in welcher Weise Depression und Diabetesbehandlung interagieren. Diese querschnittliche Studie untersuchte die Rolle von Krankheitsakzeptanz als vermittelndem Faktor.

Methodik: 180 Diabetespatienten (Alter 41 ± 15; 56% weiblich; BMI 29 ± 7; 72% Typ-1; Diabetesdauer 14 ± 10; 92% insulinbehandelt; HbA1c 8,9 ± 1,6%) wurden hinsichtlich Depressivität (ADS), Selbstbehandlungsverhalten (DSMQ) und Diabetes-Nonakzeptanz (AADQ-6) untersucht. Die Variablenzusammenhänge wurden mittels multipler Regressionsanalyse und Mediationseffekte mittels Sobel-Test untersucht.

Ergebnisse: Unter Adjustierung für Alter, Geschlecht, Bildung, BMI, Diabetestyp, Insulinbehandlung, und Folgeerkrankungsstatus war Depressivität signifikant assoziiert mit einem geringeren Blutzuckermanagementverhalten (BZSK/Medikamente) (β =-0,22, p < 0,01), einer weniger diabetesgerechten Ernährung (β=-0,24, p < 0,01), einer geringeren körperlichen Aktivität (β=-0,36, p < 0,01) und einem reduziertem Arztkontakt bzgl. Diabetes (β=-0,18, p < 0,05). Wurde zusätzlich der Einfluss der Krankheitsakzeptanz kontrolliert, so verloren die Zusammenhänge bei Blutzuckermanagement, Ernährung und Arztkontakt ihre Signifikanz, während Nonakzeptanz signifikante negative Assoziationen aufwies (alle p < 0,01). Da dieses Befundmusters eine vermittelnde Funktion von Krankheitsakzeptanz nahelegt, wurde der Sobel-Test angewandt, welcher tatsächlich signifikante Mediationseffekte anzeigte (alle p < 0,01).

Schlussfolgerungen: Die Befunde bestätigen negative Wechselwirkungen zwischen Depressivität und Diabetes-Selbstbehandlung. Sie sprechen zusätzlich dafür, dass bei diesen Wechselwirkungen eine reduzierte Krankheitsakzeptanz von zentraler Bedeutung ist. Möglicherweise neigen depressive Patienten verstärkt zu Abwehr/Vermeidung des Diabetes, was eine adäquate Selbstbehandlung verhindert. Bei der Therapie komorbider Depressionen sollte daher besonderes Augenmerk auf die emotionale Einstellung zum Diabetes gelegt werden.
Peer Reviewed: Ja
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/41442
Release Date: 13. December 2016

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