Die schleichende Revolutionierung des britischen Wahlsystems 1997-2011




Professorship/Faculty: Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft 
Author(s): Saalfeld, Thomas  
Title of the Journal: Zeitschrift für Politik
ISSN: 0044-3360
Corporate Body: Hochschule für Politik München
Publisher Information: Baden-Baden : Nomos
Year of publication: 2012
Volume: 59
Issue: 2
Pages / Size: 197 - 216
Language(s): German
Licence: German Act on Copyright 
Document Type: Article
Abstract: 
Im Jahr 2011 hatten die britischen Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit, in einem Referendum das einfache Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen durch das Alternative Vote zu ersetzen. Zwei Drittel der Wähler entschieden sich für die Beibehaltung des Status Quo. Trotz des daraus erwachsenden Eindrucks hoher Stabilität im Kernbereich des gesamtstaatlichen Wahlsystems hat sich das britische Wahlsystem im Kontext der Devolution politischer Kompetenzen an Regionalversammlungen in Schottland, Wales, Nordirland und Groß-London (1998) stark verändert. In allen neu geschaffenen Versammlungen wurden personalisierte Verhältniswahlsysteme mit starker Wahlkreiskomponente eingeführt. Das erste Kabinett Cameron (seit 2010) beschloss darüber hinaus wichtige Innovationen wie die Abschaffung des effektiven unilateralen Parlamentsauflösungsrechts des Premierministers oder die Einführung der Abwahlmöglichkeit amtierender Abgeordneter bei schweren Verstößen gegen bestehende Gesetze und Verhaltenskodices. Es wird gezeigt, dass die Stabilität des Wahlsystems im Kernbereich hochgradig mit Erwartungen von Rational-Choice-Ansätzen zur Erklärung von Wahlsystemreformen vereinbar ist. Die Reformen des Wahlsystems im weiteren Sinne dagegen können am besten durch einen interaktiven Ansatz erklärt werden, wobei ein exogener Schock ein Gelegenheitsfenster öffnete, das neue Akteure zuließ und die Themenagenda zur Wahlrechtsreform veränderte.

In 2011, British voters had the opportunity to vote in a referendum whether they wished to retain the contentious first-past-the-post electoral system, or whether they wanted to replace it with the alternative-vote system. A two-thirds majority decided to retain the status quo. This impression of stability notwithstanding, the British electoral system changed significantly in the context of devolution of powers to regional assemblies in Scotland, Wales, Northern Ireland and Greater London (1998). All newly created assemblies are elected either through a mixed-member system or by proportional representation. The first Cameron cabinet (from 2010) introduced important innovations, including fixed-term parliaments and the possibility of recalling sitting MPs in cases of serious misconduct. The article suggests that rational-choice-based explanations of electoral reform are convincing in explaining the stability of core electoral institutions. Beyond this core, changes have been possible provided there was an exogenous event that opened up a window of opportunity for reforms through the inclusion of new actors and the transformation of the reform agenda.
Keywords: Großbritannien, Wahlsystem, Verfassungsreform, United Kingdom, electoral reform
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/410
Release Date: 24. July 2012