Die Funktion des Entlassungsberichts für die psychosoziale Betreuung von Tumorpatienten an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung




Professorship/Faculty: Fakultät Humanwissenschaften: Abschlussarbeiten 
Author(s): Book, Katrin
Alternative Title: The role of the medical report for psychosocial support of cancer patients after discharge from the hospital
Publisher Information: Bamberg : opus
Year of publication: 2012
Pages / Size: 145 S.
Supervisor(s): Reinecker, Hans
Language(s): German
Remark: 
Bamberg, Univ., Diss., 2012
URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus-3998
Document Type: Doctoralthesis
Abstract: 
Ziel des Forschungsprojektes war die Untersuchung der Frage, ob sich die intersektorielle Versorgungsqualität stationär behandelter onkologischer Patienten durch die systematische Ergänzung der stationären Entlassungsberichte um einen Psychoonkologischen Befund (PO-Befund) optimieren lässt. Diese Frage wurde sowohl aus Sicht der Patienten als auch aus Sicht der Adressaten der Entlassungsberichte (niedergelassene Ärzte) untersucht. Dazu wurden Tumorpatienten der Interventionsgruppe (IG) kurz vor Entlassung aus der Akutklinik mittels einer standardisierten Fremdeinschätzungsskala (PO-Bado-KF; Herschbach et al., 2008) bzgl. ihrer psychosozialen Belastung befragt. Das Ergebnis dieses Interviews wurde anschließend inkl. Handlungsempfehlungen als standardisierter Textbaustein (PO-Befund) in den Entlassungsbericht im Klinik-Dokumentationssystem eingefügt. Diese Intervention wurde verglichen mit einer Kontrollgruppe (KG), die den herkömmlichen Entlassungsbericht (ohne PO-Befund) erhielt. Etwa 4-6 Wochen nach Entlassung bzw. nach dem ersten Besuch beim nachbehandelnden Arzt (Adressat des Entlassungsberichts) wurden zunächst die Patienten (der IG und KG) telefonisch zur Kommunikation mit dem Arzt, ihrer Zufriedenheit mit der Behandlung und Lebensqualität befragt. Unmittelbar im Anschluss wurde der entsprechende Arzt per Fax nach der Bewertung des PO-Befunds (IG), bzw. Entlassungsberichts (KG) und der Kommunikation mit dem Patienten befragt. Insgesamt wurden 1416 Krebspatienten während ihres stationären Aufenthaltes aus fünf Kliniken in München und Leipzig in die Studie eingeschlossen. Patienten mit urologischen Tumorerkrankungen stellen einen Großteil der Gesamtstichprobe dar (83.4%). Die Rücklaufquote der Patienten zur Nachbefragung nach Entlassung aus der Primärklinik (t2) betrug 1179 (83.2%). Von den behandelnden niedergelassenen Ärzten nahmen 596 Personen teil (Rücklaufquote 67.1%). Als Ergebnisse der Studie stellte sich heraus, dass sich die beiden Entlassungsberichtvarianten (mit vs. ohne PO-Befund) nicht unterschieden hinsichtlich eines Zusammenhangs mit der Arzt-Patienten-Kommunikation, den Konsequenzen für die weitere Behandlung, der Zufriedenheit mit der Behandlung, oder der Lebensqualität der Patienten. 40,5% aller Patienten gaben an, von ihrem Arzt auf ihr psychosoziales Befinden und die Krankheitsbewältigung angesprochen worden zu sein. Ein Großteil der Patienten (der IG und KG) äußerte sich zufrieden mit dem Arztbesuch (durchschnittlich bewerteten 88.7% der Patienten den Besuch als gut bzw. sehr gut) und gab eine hohe Lebensqualität an. Trotz der allgemein hohen Patientenzufriedenheit gibt es jedoch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Ansprechen psychosozialer Belastung und der Zufriedenheit der Patienten, da Patienten, die nicht auf ihr Befinden angesprochen wurden, weniger zufrieden mit der Behandlung waren. Darüber hinaus waren die hoch belasteten Patienten weniger zufrieden mit der Behandlung (sie wurden nicht häufiger auf ihr psychisches Befinden angesprochen als Patienten mit niedriger Belastung). 41.3% der Ärzte der IG gaben an, dass ihnen der PO-Befund nicht aufgefallen sei. Bei den übrigen Ärzten fiel die Beurteilung des PO-Befunds sehr positiv aus; die Ärzte der KG bewerteten den Standard-Entlassungsbericht ohne PO-Befund ebenfalls positiv. Die Mehrheit der Ärzte beider Gruppen (IG und KG) gab an, den Patienten auf sein psychisches Befinden angesprochen zu haben (74.3%). Die Realisierung der Zielvariable („Hat Ihr Arzt Sie auf Ihr seelisches Befinden oder die Bewältigung Ihrer Erkrankung angesprochen?“) erwies sich insgesamt als abhängig von sozio-demographischen Variablen. Demnach waren weibliches Geschlecht der Ärzte und Patienten, Facharztweiterbildung (Gynäkologen), psychosoziale Zusatzqualifikation, Ausbildungsabschluss der Patienten (insbesondere keine Berufsausbildung), gynäkologische Tumorerkrankung sowie Metastasierung mit einem häufigeren Ansprechen des psychischen Befindens verbunden. Ein Vergleich der Ärzte und Patienten bzgl. der Zielvariable (Ansprechen des psychischen Befindens) zeigte, dass deutlich mehr Ärzte angaben, den Patienten aus das psychische Befinden angesprochen zu haben, als dies die Patienten selbst äußerten. Die Übereinstimmung lag durchschnittlich bei nur etwa 50% und fiel am höchsten zwischen weiblichen Patienten und weiblichen Ärzten aus mit 61.4%. Die Analyse der Machbarkeit der Prozedur (Interviewtraining, Durchführung der Interviews, Programmierung der Ergebnistextbausteine, Integration des PO-Befunds in den Entlassungsbericht) zeigte, dass in der Initialphase zusätzliche Ressourcen für das Interviewtraining und die Programmierung erforderlich sind, die Durchführung der Interviews und die Integration des PO-Befunds in den Entlassungsbericht aber unter Routinebedingungen ohne zusätzliches Personal möglich ist. Für den psychosozialen Bedarfsfall (hohe emotionale Belastung/Krisen einzelner Patienten) sollten ausgebildete Psychoonkologen bereit stehen.

Treatment of cancer involves different sectors within the health care system. The hospital discharge report plays an important role for communication between these sectors. However, medical reports rarely contain information on psychosocial distress of patients making continuous psychosocial support difficult. The aim of this study was therefore to investigate whether the inclusion of a psychooncological statement within the medical report influences physician-patient communication about psychosocial distress from the patient’s and physician’s perspective and whether it improves satisfaction with treatment as well as quality of life. Patients with cancer were randomly assigned to an intervention or control group. Shortly before discharge, patients from the intervention group were assessed for their psychosocial distress (t1). Results of the short interview appeared as a standardized psychooncological statement in the medical report. The control group received the medical report as usual. Few weeks after discharge (t2), patients from the intervention and control group were asked about the communication with the physician, satisfaction with treatment, and quality of life. The physician in charge for follow-up care received questions on whether the statement was helpful for communication and further treatment, and whether he asked the patient about psychosocial distress. The results showed that physicians rated the psychooncological statement as helpful for communication with the patient and further treatment. However, the systematic inclusion of a psychooncological statement within the medical report did not influence physician-patient communication from the patient’s or physicians’ perspective, and it did not affect satisfaction with treatment or quality of life. The results indicated that sociodemographic characteristics are stronger indicators of whether the physicians ask about psychosocial distress. Thus, female gender, psychosocial training of the physician, metastases, gynaecological cancer, medical discipline (gynaecologist), and no professional qualification of the patient were associated with more frequent discussions about psychosocial distress.
SWD Keywords: Psychoonkologie ; Psychosoziale Belastung ; Arztbrief ; Online-Publikation
Keywords: Psychoonkologie , psychosoziale Belastung , Entlassungsbericht , Tumorpatienten, Psychooncology , psychosocial distress , discharge summary , cancer patients, Psychoonkologie, psychosoziale Belastung, Entlassungsbericht, Tumorpatienten, Psychooncology, psychosocial distress, discharge summary, cancer patients
DDC Classification: 150 Psychology 
RVK Classification: XH 2200   
URI: https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/365
Release Date: 20. April 2012

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