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Berufliches Stresserleben von Peer-Berater*innen in der Sozialpsychiatrie : Untersuchung von Stressoren, Ressourcen, personalen Merkmalen sowie deren Einfluss auf depressive Symptome und Arbeitszufriedenheit
Hoghe, Jelena (2026): Berufliches Stresserleben von Peer-Berater*innen in der Sozialpsychiatrie : Untersuchung von Stressoren, Ressourcen, personalen Merkmalen sowie deren Einfluss auf depressive Symptome und Arbeitszufriedenheit, Bamberg: Otto-Friedrich-Universität, doi: 10.20378/irb-115351.
Author:
Publisher Information:
Year of publication:
2026
Supervisor:
Language:
German
Remark:
Kumulative Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2026
Von der genannten Lizenzangabe ausgenommen sind folgende Bestandteile dieser Dissertation:
Artikel 2 "Die Bedeutung personaler Ressourcen und personaler Risikofaktoren für die Bewältigung beruflicher Belastungen bei Genesungsbegleiter/-innen/Peer Berater/-innen" (S. 42-65) und Artikel 3 "Soziale Ressourcen, Arbeitszufriedenheit, psychosoziale Stressoren und depressive Symptome von EX-IN Genesungsbegleiter/-innen/Peer-Berater/-innen in der Sozialpsychiatrie: Empirische Analysen auf Basis des Job-Demands-Resources-Modells" (S. 66-90) stehen unter der CC-Lizenz CC BY.
Lizenzvertrag: Creative Commons Attribution 4.0
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Alle relevanten Forschungsdaten sind in der Preregistration zu finden, auf die auch innerhalb der Dissertation mehrmals verwiesen wird: https://osf.io/kypnd/
Von der genannten Lizenzangabe ausgenommen sind folgende Bestandteile dieser Dissertation:
Artikel 2 "Die Bedeutung personaler Ressourcen und personaler Risikofaktoren für die Bewältigung beruflicher Belastungen bei Genesungsbegleiter/-innen/Peer Berater/-innen" (S. 42-65) und Artikel 3 "Soziale Ressourcen, Arbeitszufriedenheit, psychosoziale Stressoren und depressive Symptome von EX-IN Genesungsbegleiter/-innen/Peer-Berater/-innen in der Sozialpsychiatrie: Empirische Analysen auf Basis des Job-Demands-Resources-Modells" (S. 66-90) stehen unter der CC-Lizenz CC BY.
Lizenzvertrag: Creative Commons Attribution 4.0
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Alle relevanten Forschungsdaten sind in der Preregistration zu finden, auf die auch innerhalb der Dissertation mehrmals verwiesen wird: https://osf.io/kypnd/
DOI:
Abstract:
Peer Support hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend innerhalb der psychiatrischen Versorgung etabliert. Damit ist die Unterstützung durch psychiatrieerfahrene Menschen gemeint, die eine spezifische Weiterbildung zu ihrem Erfahrungswissen absolviert haben und als Peer-Berater*innen (PB) tätig sind. Trotz dieser Entwicklung bestehen weiterhin Herausforderungen bei der organisatorischen Einbindung von PB und der Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen.
Die Dissertation verfolgte das Ziel, die Arbeitssituation von PB im deutschsprachigen Raum systematisch zu untersuchen und ein vertieftes Verständnis der Faktoren zu gewinnen, die ihre Gesundheit und berufliche Motivation beeinflussen. Damit wurde eine Forschungslücke adressiert, da bislang kaum empirische Erkenntnisse zu arbeitsbezogenen Belastungs- und Entlastungsfaktoren dieser Berufsgruppe vorlagen. Der theoretische Rahmen orientierte sich am erweiterten transaktionalen Stressmodell, am integrativen Salutogenese-Modell und am Job-Demands-Resources-Modell.
Die Dissertation umfasste drei aufeinander bezogene Studien. Die erste Studie erfasste berufliche Stressoren und Ressourcen von PB mithilfe des Instruments zur stressbezogenen Arbeitsanalyse für Klinikärztinnen und Klinikärzte (ISAK) und ergänzender tätigkeitsrelevanter Faktoren im Kontext von Peer Support. Die zweite Studie konzentrierte sich auf personenbezogene Merkmale wie personale Ressourcen, Bewältigungsstrategien und Risikofaktoren der PB, die in der Forschung bisher wenig berücksichtigt worden waren. In beiden Studien wurden zentrale Faktoren überwiegend quantitativ erfasst, ergänzt durch qualitative Elemente, um Merkmale zu identifizieren, die in den verwendeten standardisierten Fragebögen möglicherweise nicht abgebildet waren. Die dritte Studie integrierte die zentralen Befunde aus den ersten beiden Studien in einem Strukturgleichungsmodell, das Zusammenhänge zwischen beruflichen Stressoren, Ressourcen, depressiven Symptomen und Arbeitszufriedenheit prüfte und die Rolle personaler Ressourcen einbezog.
Die meisten relevanten Ressourcen und Stressoren konnten zwei übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden, und zwar dem sozialen Kontext und der Arbeitsorganisation (vgl. Kap. 6.1). Damit erwiesen sich auch Merkmale als zentral, die als für PB tätigkeitsspezifisch angenommen worden waren, etwa psychologische Sicherheit und Stigmatisierung, da sie entscheidend zur Entlastung oder Belastung sowie zur Motivation von PB beitrugen (vgl. Studie 1 und Studie 3). Die Befunde verdeutlichen damit die besondere Relevanz dieser sozialen Merkmale im Arbeitsalltag von PB und weisen zugleich auf spezifische Belastungs- und Entlastungsfaktoren hin, die diese Berufsgruppe in besonderem Maße betreffen und in weiteren Untersuchungen berücksichtigt werden sollten.
Konkret zeigte sich im sozialen Bereich, dass neben psychologischer Sicherheit insbesondere die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kolleginnen bedeutsame Ressourcen darstellten, die mit höherer Arbeitszufriedenheit verbunden waren (s. Studie 3). Dagegen stellten Stigmatisierung und Probleme in der Teamkultur zentrale Belastungen dar. Die gleichzeitige Erfahrung von emotionaler Dissonanz, Stigmatisierung und Arbeitsablaufproblemen ging mit stärkeren depressiven Symptomen einher. Dies deutet darauf hin, dass emotionale Dissonanz teilweise eine Reaktion auf belastende Teamsituationen war (s. Studie 3). Insgesamt machen die Befunde deutlich, dass eine offene und unterstützende Haltung im Team und in der Leitung zentral dafür ist, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem PB Belastungen besser bewältigen können und ihre Ressourcen wirksam einsetzen können.
Die Ergebnisse zeichneten ferner ein vielschichtiges Bild der Arbeitssituation von PB. Diese berichteten über ein breites Spektrum an Ressourcen, während stark belastende Stressoren vergleichsweise selten genannt wurden (s. Studie 1). Entscheidend war jedoch nicht nur die Häufigkeit einzelner Faktoren, sondern auch deren subjektive Bewertung und das Zusammenspiel verschiedener Merkmale. Die Kombination aus hoher Autonomie, unklaren Aufgaben und Unsicherheit in Entscheidungsprozessen erwies sich als potenziell überfordernd. Demnach erscheint eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung sowie die transparente Gestaltung von Arbeitsprozessen und Zuständigkeiten aller Beteiligten im Implementierungsprozess als besonders entlastend (s. Studie 1).
Gleichzeitig verdeutlichten die Befunde, dass PB ihre Arbeit aktiv und lösungsorientiert gestalteten, soziale Unterstützung gezielt einsetzten und ein ausgeprägtes berufliches Identitätsgefühl sowie Hinweise auf ein hohes berufliches Kohärenzgefühl aufwiesen. Zugleich zeigten sich jedoch auch Risikofaktoren wie z.B. erhöhte Neurotizismuswerte, Anzeichen depressiver Symptome und geringere arbeitsbezogene internale Kontrollüberzeugung (s. Studie 2). Dies macht deutlich, dass PB trotz teils unklarer Rollenstrukturen und einer noch nicht vollständig etablierten Berufsgruppe bereits über ausgeprägte individuelle berufliche Ressourcen verfügen, zugleich jedoch Risikofaktoren aufweisen, die weiterer wissenschaftlicher Untersuchung bedürfen.
Da ein Teil der Datenerhebung während der Corona-Pandemie stattfand, wurden ergänzende Analysen durchgeführt, um zu prüfen, inwieweit pandemiebedingte Belastungen die Zusammenhänge zwischen Stressoren, Ressourcen und Outcomes beeinflussen. Diese Analysen zeigten, dass die zentralen Zusammenhänge weitgehend unabhängig von pandemiebedingten Veränderungen interpretiert werden können, mit Ausnahme der depressiven Symptome, die bei PB mit beruflichen Veränderungen während der Pandemie höher lagen (s. Abschnitt 5.5).
Die Ergebnisse verdeutlichen abschließend, dass die Arbeitsbedingungen von PB aus einer Kombination organisationaler Rahmenbedingungen und individueller Merkmale betrachtet werden müssen. Sowohl Maßnahmen auf der Ebene der Organisation, etwa klare Rollenverteilungen, unterstützende Führung und offene Kommunikationsstrukturen, als auch Interventionen zur Stärkung personaler Ressourcen tragen dazu bei, Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu fördern und Peer Support erfolgreich umzusetzen. Diese Aspekte repräsentieren einen Teil der Implikationen, die im letzten Kapitel vertieft behandelt werden. Zudem werden Limitationen diskutiert und ein Ausblick gegeben.
Die Dissertation verfolgte das Ziel, die Arbeitssituation von PB im deutschsprachigen Raum systematisch zu untersuchen und ein vertieftes Verständnis der Faktoren zu gewinnen, die ihre Gesundheit und berufliche Motivation beeinflussen. Damit wurde eine Forschungslücke adressiert, da bislang kaum empirische Erkenntnisse zu arbeitsbezogenen Belastungs- und Entlastungsfaktoren dieser Berufsgruppe vorlagen. Der theoretische Rahmen orientierte sich am erweiterten transaktionalen Stressmodell, am integrativen Salutogenese-Modell und am Job-Demands-Resources-Modell.
Die Dissertation umfasste drei aufeinander bezogene Studien. Die erste Studie erfasste berufliche Stressoren und Ressourcen von PB mithilfe des Instruments zur stressbezogenen Arbeitsanalyse für Klinikärztinnen und Klinikärzte (ISAK) und ergänzender tätigkeitsrelevanter Faktoren im Kontext von Peer Support. Die zweite Studie konzentrierte sich auf personenbezogene Merkmale wie personale Ressourcen, Bewältigungsstrategien und Risikofaktoren der PB, die in der Forschung bisher wenig berücksichtigt worden waren. In beiden Studien wurden zentrale Faktoren überwiegend quantitativ erfasst, ergänzt durch qualitative Elemente, um Merkmale zu identifizieren, die in den verwendeten standardisierten Fragebögen möglicherweise nicht abgebildet waren. Die dritte Studie integrierte die zentralen Befunde aus den ersten beiden Studien in einem Strukturgleichungsmodell, das Zusammenhänge zwischen beruflichen Stressoren, Ressourcen, depressiven Symptomen und Arbeitszufriedenheit prüfte und die Rolle personaler Ressourcen einbezog.
Die meisten relevanten Ressourcen und Stressoren konnten zwei übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden, und zwar dem sozialen Kontext und der Arbeitsorganisation (vgl. Kap. 6.1). Damit erwiesen sich auch Merkmale als zentral, die als für PB tätigkeitsspezifisch angenommen worden waren, etwa psychologische Sicherheit und Stigmatisierung, da sie entscheidend zur Entlastung oder Belastung sowie zur Motivation von PB beitrugen (vgl. Studie 1 und Studie 3). Die Befunde verdeutlichen damit die besondere Relevanz dieser sozialen Merkmale im Arbeitsalltag von PB und weisen zugleich auf spezifische Belastungs- und Entlastungsfaktoren hin, die diese Berufsgruppe in besonderem Maße betreffen und in weiteren Untersuchungen berücksichtigt werden sollten.
Konkret zeigte sich im sozialen Bereich, dass neben psychologischer Sicherheit insbesondere die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kolleginnen bedeutsame Ressourcen darstellten, die mit höherer Arbeitszufriedenheit verbunden waren (s. Studie 3). Dagegen stellten Stigmatisierung und Probleme in der Teamkultur zentrale Belastungen dar. Die gleichzeitige Erfahrung von emotionaler Dissonanz, Stigmatisierung und Arbeitsablaufproblemen ging mit stärkeren depressiven Symptomen einher. Dies deutet darauf hin, dass emotionale Dissonanz teilweise eine Reaktion auf belastende Teamsituationen war (s. Studie 3). Insgesamt machen die Befunde deutlich, dass eine offene und unterstützende Haltung im Team und in der Leitung zentral dafür ist, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem PB Belastungen besser bewältigen können und ihre Ressourcen wirksam einsetzen können.
Die Ergebnisse zeichneten ferner ein vielschichtiges Bild der Arbeitssituation von PB. Diese berichteten über ein breites Spektrum an Ressourcen, während stark belastende Stressoren vergleichsweise selten genannt wurden (s. Studie 1). Entscheidend war jedoch nicht nur die Häufigkeit einzelner Faktoren, sondern auch deren subjektive Bewertung und das Zusammenspiel verschiedener Merkmale. Die Kombination aus hoher Autonomie, unklaren Aufgaben und Unsicherheit in Entscheidungsprozessen erwies sich als potenziell überfordernd. Demnach erscheint eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung sowie die transparente Gestaltung von Arbeitsprozessen und Zuständigkeiten aller Beteiligten im Implementierungsprozess als besonders entlastend (s. Studie 1).
Gleichzeitig verdeutlichten die Befunde, dass PB ihre Arbeit aktiv und lösungsorientiert gestalteten, soziale Unterstützung gezielt einsetzten und ein ausgeprägtes berufliches Identitätsgefühl sowie Hinweise auf ein hohes berufliches Kohärenzgefühl aufwiesen. Zugleich zeigten sich jedoch auch Risikofaktoren wie z.B. erhöhte Neurotizismuswerte, Anzeichen depressiver Symptome und geringere arbeitsbezogene internale Kontrollüberzeugung (s. Studie 2). Dies macht deutlich, dass PB trotz teils unklarer Rollenstrukturen und einer noch nicht vollständig etablierten Berufsgruppe bereits über ausgeprägte individuelle berufliche Ressourcen verfügen, zugleich jedoch Risikofaktoren aufweisen, die weiterer wissenschaftlicher Untersuchung bedürfen.
Da ein Teil der Datenerhebung während der Corona-Pandemie stattfand, wurden ergänzende Analysen durchgeführt, um zu prüfen, inwieweit pandemiebedingte Belastungen die Zusammenhänge zwischen Stressoren, Ressourcen und Outcomes beeinflussen. Diese Analysen zeigten, dass die zentralen Zusammenhänge weitgehend unabhängig von pandemiebedingten Veränderungen interpretiert werden können, mit Ausnahme der depressiven Symptome, die bei PB mit beruflichen Veränderungen während der Pandemie höher lagen (s. Abschnitt 5.5).
Die Ergebnisse verdeutlichen abschließend, dass die Arbeitsbedingungen von PB aus einer Kombination organisationaler Rahmenbedingungen und individueller Merkmale betrachtet werden müssen. Sowohl Maßnahmen auf der Ebene der Organisation, etwa klare Rollenverteilungen, unterstützende Führung und offene Kommunikationsstrukturen, als auch Interventionen zur Stärkung personaler Ressourcen tragen dazu bei, Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu fördern und Peer Support erfolgreich umzusetzen. Diese Aspekte repräsentieren einen Teil der Implikationen, die im letzten Kapitel vertieft behandelt werden. Zudem werden Limitationen diskutiert und ein Ausblick gegeben.
GND Keywords: ;
Sozialpsychiatrie
Peer-Beratung
Keywords: ; ; ; ; ; ;
Peer Support
Berufliche Stressoren
Berufliche Ressourcen
EX-IN Genesungsbegleitung
Befragung
Job-Demands-Resources-Modell
Stressforschung
DDC Classification:
RVK Classification:
Type:
Doctoralthesis
Activation date:
June 8, 2026
Permalink
https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/115351