Professionell Feedback geben - Lernen mit Videos für Lehramtsstudierende der Universität Kassel


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Title
Professionell Feedback geben - Lernen mit Videos für Lehramtsstudierende der Universität Kassel
 
Project leader
 
 
Person involved
Lipowsky, Frank
 
Start date
01-08-2015
 
End date
31-10-2016
 
Etat

10000 €

 
Existing situation
Completed
 
Acronym
ProFee
 
Description
Projektleitung
Prof. Dr. Miriam Hess (Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

Projektmitarbeiterin
Katharina Werker (Fachgebiet für Empirische Schul- und Unterrichtsforschung der Universität Kassel)

Kooperationspartner
Prof. Dr. Frank Lipowsky (Fachgebiet für Empirische Schul- und Unterrichtsforschung der Universität Kassel)

Projektförderung
Das Forschungsprojekt wurde an der Universität Kassel initiiert und aus Mitteln der Zentralen Lehrförderung im Rahmen eines Lehrinnovationswettbewerbs gefördert.

Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
Das Feedback der Lehrperson übt einen bedeutsamen Einfluss auf die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung aus (Hattie, 2009). Das grundlegende Ziel von Feedback im schulischen Kontext ist die Verringerung der Diskrepanz zwischen der momentanen Leistung und dem gewünschten Lernziel, wobei gutes Feedback sowohl informativ als auch motivationsförderlich sein sollte (Hattie & Timperley, 2016). Insbesondere Beobachtungsstudien zeigen aber, dass Lehrpersonen selten solches Feedback erteilen, das laut aktueller Forschung als förderlich gilt (z.B. Lotz, 2015). Daher fokussiert das Projekt ProFee darauf, angehende Grundschullehrpersonen beim Erwerb professioneller Kompetenzen zum Thema Feedback zu unterstützen.
Insbesondere für den Erwerb analytischer und unterrichtspraktischer Kompetenzen wird dem Einsatz von Videos ein hohes Potenzial zugeschrieben. Häufiger untersucht wurde dabei bereits, ob fremde oder eigene Unterrichtsvideos den Kompetenzerwerb besser unterstützen und wie sich die Analysekompetenz durch die Arbeit mit Videos weiterentwickelt. Auswirkungen auf die tatsächliche Handlungskompetenz stehen bislang hingegen selten im Mittelpunkt empirischer Studien. Auch fokussieren bisher nur wenige Studien auf die Frage, welche Art der Arbeit mit Videos die höchsten Lernerfolge verspricht (Steffensky & Kleinknecht, 2016). Im ProFee-Projekt wird daher die Wirksamkeit verschiedener Seminarkonzepte verglichen, in denen mit Videos gearbeitet wird, wobei dies aber methodisch unterschiedlich umgesetzt wird. Dabei wird nicht nur die Wirkung auf das Wissen und die professionelle Wahrnehmung untersucht, sondern auch die Handlungskompetenz der Studierenden wird in den Blick genommen.

Fragestellungen
Die Seminare im Rahmen des ProFee-Projekts zielen darauf ab, Lehramtsstudierenden Wissen zum Thema Feedback zu vermitteln, ihre Wahrnehmung für die Qualität von Feedback zu schulen und Übungssituationen für die Entwicklung der eigenen Handlungskompetenz sowie für deren Reflexion zu ermöglichen. Die begleitende Forschung fokussiert folgende übergeordnete Fragestellungen:

- Wie entwickelt sich das konzeptuelle Wissen der Studierenden über Feedback durch den Besuch verschiedener Seminare?

- Wie entwickelt sich die professionelle Wahrnehmung der Studierenden von Feedbacksituationen durch den Besuch verschiedener Seminare?

- Können die Studierenden das im Seminar Erlernte praktisch umsetzen? Wie ist die Handlungskompetenz der Studierenden im Bereich Feedback nach den Seminaren ausgeprägt?

- Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen den untersuchten Kompetenzfacetten Wissen, professionelle Wahrnehmung und Handlungskompetenz?

- Wie schätzen die Studierenden ihre eigenen professionellen Kompetenzen im Bereich Feedback vor und nach den Seminaren ein? Wie hängen diese Selbsteinschätzungen mit den durch Tests erfassten Leistungen zusammen?

- Wie beurteilen die Studierenden die Seminare (Evaluation)

Jede dieser Fragen wird sowohl übergreifend als auch im Vergleich unterschiedlicher Seminarkonzepte untersucht. Damit soll die Frage beantwortet werden, ob das Lernen mit Videos dem Lernen ohne Videos generell überlegen ist und ob verschiedene Grade der Strukturiertheit bei der Videoanalyse den Kompetenzzuwachs beeinflussen. Insbesondere für Noviz:innen wird angenommen, dass sie von einem eher strukturierten Zugang profitieren (Fischler, 2007).

Methode
Das Projekt ist als quasi-experimentelle Interventionsstudie mit einem Prä-Post-Kontrollgruppen-Design angelegt. Dabei werden drei verschiedene dreitägige Blockseminare, die von derselben Dozentin gehalten werden, in ihrer Wirksamkeit verglichen. In Kurs 1 wurde das theoretische Wissen über Text- und Gruppenarbeiten sowie Rollenspiele und Reflexionen zu den Merkmalen guten Feedbacks vertieft – es wurden keine Videos eingesetzt. In Kurs 2 und Kurs 3 setzten sich die Studierenden mit ihren eigenen Videoaufnahmen auseinander, indem jeweils zwei Studierende im Tandem ihre beiden Videos betrachteten und analysierten. Was sich zwischen Kurs 2 und Kurs 3 unterschied, war die konkrete Instruktion zur Analyse der Videos. In Kurs 2 sollten die Studierenden jedes einzelne Feedback in ihren Videos identifizieren und mithilfe vorgegebener Items in einer vorbereiteten Excel-Tabelle kategorisieren. So sollte beispielsweise für jedes Feedback bestimmt werden, ob es eine der drei Fragen nach Hattie und Timperley beantwortet und auf welcher der vier Ebenen es eingeordnet werden kann. Dieses Vorgehen entspricht einer niedrig inferenten Kodierung – einer klassischen Methode der systematischen, quantitativen Videoanalyse (z. B. Hess & Denn, 2018; Lotz, Berner & Gabriel, 2013). In Kurs 3 erhielten die Studierenden hingegen einen weniger vorstrukturierten Arbeitsauftrag. Sie sollten ihre Videos anhand einiger Leitfragen zu zweit intensiv reflektieren. Der Fokus sollte auf der Identifikation von Stärken und Schwächen im Feedbackverhalten liegen (»An welchen Stellen habe ich lernförderliches Feedback gegeben?«, »An welchen Stellen habe ich motivierendes Feedback gegeben?«, »Was würde ich im Nachhinein anders machen?«). An der Pilotierungsstudie an der Universität Kassel nahmen 54 Lehramtsstudierende teil.

Bedeutsamkeit
Die Studie gibt einen ersten Einblick, wie Videoanalysen in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung gewinnbringend eingesetzt werden können und welche Rolle dabei der Arbeitsauftrag zur Analyse der Videos spielt. Mit Feedback wurde in den Seminaren ein Thema adressiert, dem für das Lernen der Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung zukommt und das daher eine wichtige Kernkompetenz für Lehrpersonen darstellt. Einige der im Projekt entstandenen Videos konnten über das Portal „Unterricht unter der Lupe“ für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung auch längerfristig nutzbar gemacht werden.

Literaturangaben

Fischler, H. (2007). Videographierte Unterrichtsszenen als Reflexionsanstöße. In D. Höttecke (Hrsg.), Naturwissenschaftlicher Unterricht im internationalen Vergleich (S. 512-514). Münster: Lit.

Hattie, J. (2009). Visible learning. A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement. London: Routledge.

Hattie, J. & Timperley, H. (2016). Die Wirkung von Feedback (übersetzt durch Daniel Schott & Klaus Zierer). Jahrbuch für Allgemeine Didaktik, 11, 204-239.

Hess, M. & Denn, A.-K. (2018). Methodenworkshop: Hoch und niedrig inferente Methoden der Videoanalyse. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 38(2), 212-222.

Lotz, M. (2015). Kognitive Aktivierung im Leseunterricht der Grundschule. Eine Videostudie zur Gestaltung und Qualität von Leseübungen im ersten Schuljahr. Wiesbaden: VS.

Lotz, M., Berner, N. & Gabriel, K. (2013). Auswertung der PERLE-Videostudien und Überblick über die Beobachtungsinstrumente. In M. Lotz, F. Lipowsky & G. Faust (Hrsg.), Technischer Bericht zu den PERLE-Videostudien (S. 83–103). Frankfurt am Main: GFPF.

Steffensky, M. & Kleinknecht, M. (2016). Wirkungen videobasierter Lernumgebungen auf die professionelle Kompetenz und das Handeln (angehender) Lehrpersonen. Ein Überblick zu Ergebnissen aus aktuellen (quasi-)experimentellen Studien. Unterrichtswissenschaft, (4), 305-321.