Bildungssprachliche Kompetenzen: Anforderungen, Sprachverarbeitung und Diagnostik (Kooperationsprojekt; BiSpra II)


Title
Bildungssprachliche Kompetenzen: Anforderungen, Sprachverarbeitung und Diagnostik (Kooperationsprojekt; BiSpra II)
 
 
 
Person involved
Schuth, Elisabeth
Dr. Köhne, Judith
 
Start date
01-03-2013
 
End date
30-06-2016
 
Etat

771.655,00 €

 
 
Existing situation
Completed
 
 
Acronym
BiSpra II
 
Description
Die Beherrschung der sogenannten Bildungssprache („academic language“) gilt als wichtige Voraussetzung für schulischen Erfolg. Unter Bildungssprache versteht man im Allgemeinen den für schulische Kommunikation charakteristischen Sprachgebrauch, von dem angenommen wird, dass er sich im Vergleich zur Alltagssprache z. B. durch einen anspruchsvolleren Wortschatz, eine komplexere Grammatik und eine geringere situative Einbettung auszeichnet (z. B. Bailey, 2007; Berendes, Dragon, Weinert, Heppt & Stanat, 2013).

Es wird vermutet, dass insbesondere Kinder aus zugewanderten und/oder bildungsfernen Familien Schwierigkeiten mit einer stark akademisch geprägten Sprache haben. Das Projekt BiSpra wurde vor dem Hintergrund durchgeführt, dass bislang weitgehend ungeklärt war, inwieweit dies tatsächlich der Fall ist und auf welche spezifischen Merkmale der Bildungssprache mögliche Schwierigkeiten zurückzuführen sind.

Ziel des BiSpra-Projekts war es daher, zu untersuchen, welche Merkmale von Bildungssprache Grundschulkindern mit unterschiedlichem sprachlichen und sozialen Hintergrund besondere Probleme bereiten und ob bzw. inwieweit sich hierbei Unterschiede zwischen Kindern aus deutschsprachigen Familien und Kindern mit nicht-deutscher Familiensprache zeigen.

In der ersten Förderphase des Projekts (BiSpra I) stand die Frage im Vordergrund, ob bei Kindern mit nicht-deutscher Familiensprache im Vergleich zu Kindern mit deutscher Familiensprache bei der Verarbeitung bildungssprachlich anspruchsvoller Texte besonders ausgeprägte Leistungsnachteile zu beobachten sind. Hierzu wurden Hörverstehensaufgaben für die zweite und dritte Jahrgangsstufe entwickelt, deren Stimulustexte sich systematisch hinsichtlich lexikalischer und grammatischer Merkmale unterscheiden, die als zentrale Charakteristika der Bildungssprache gelten (Heppt, Dragon, Berendes, Stanat & Weinert, 2012). Wie sich zeigte, verschwanden differenzielle Effekte eines bildungssprachlich geprägten Wortschatzes auf die Hörverstehensleistungen von Schülerinnen und Schülern mit nicht-deutscher Familiensprache bei Kontrolle des sozialen und bildungsbezogenen familiären Hintergrunds. Die vorliegenden Ergebnisse stützen die Annahme, dass Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Familiensprache bei der Verarbeitung bildungssprachlich komplexer Hörverstehenstexte spezifische Schwierigkeiten haben, demnach nur teilweise.

Im Rahmen der zweiten Förderphase des Projekts wurden die folgenden Ziele verfolgt:

- Zum einen sollten Aufgaben entwickelt werden, die es erlauben, schulrelevante sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Kindern in den Jahrgangsstufen 2 bis 4 zu erfassen.

- Weiterhin sollte im Rahmen einer Messwiederholungsstudie die prognostische Validität bildungssprachlicher Fähigkeiten für den schulischen Kompetenzerwerb im Grundschulalter untersucht werden.

Hierzu wurden weitere Aufgaben zur Erfassung bildungssprachlich anspruchsvollen Hörverstehens entwickelt, die für den Einsatz in der vierten Jahrgangsstufe geeignet sind. Zusätzlich zu diesem funktional-integrativen Sprachmaß wurden Aufgaben zur Erfassung sprachkomponenten-bezogener Fähigkeiten konzipiert und erprobt. Neben der Weiter- und Neuentwicklung von Aufgaben zur Überprüfung des Konnektorenverständnisses (Satzverbindungen, wie z.B. daher, obwohl, anschließend) wurden in diesem Zusammenhang auch Aufgaben zur Erfassung des bildungssprachlichen Wortschatz konzipiert.

Die neu entwickelten und pilotierten Aufgaben wurden anschließend in einer Messwiederholungsstudie mit zwei Alterskohorten (Startkohorten: 2. und 3. Jahrgangsstufe) validiert. Durch ihre längsschnittliche Anlage liefert die Studie eine empirische Grundlage für wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung bildungssprachlicher Fähigkeiten und deren prognostische Bedeutung für den schulischen Kompetenzerwerb im Grundschulalter.