Abgeordnete zwischen demokratischer Verantwortlichkeit und Teilhabe an der Autonomie eines horizontalen kollektiven Akteurs (LeColAg) - Legislators between Accountability and Collective Agency


Title
Abgeordnete zwischen demokratischer Verantwortlichkeit und Teilhabe an der Autonomie eines horizontalen kollektiven Akteurs (LeColAg) - Legislators between Accountability and Collective Agency
 
Project leader
 
 
Person involved
Libel, Tamir
 
Start date
01-02-2020
 
End date
31-01-2023
 
Research profile of the University of Bamberg
Digital Humanities, Social and Human Sciences
 
 
Existing situation
Ongoing
 
Acronym
LACAN (vormals LegColAg)
 
Description
Der Wettbewerbscharakter der Politik in Parlamenten, die hierarchische Natur parlamentarischer Organisationsformen und die Dominanz des Mehrheitsprinzips als Entscheidungsverfahren sind ungünstige Voraussetzungen für die Entstehung und Reproduktion eines kollektiven Bewusstseins unter Parlamentariern. Aus Sicht normativer Theorien der Demokratie wirken damit Wettbewerbs- und Hierarchisierungsprozesse einer „Verselbstständigung“ von Abgeordneten und politischen Eliten entgegen. Dennoch zeigen einflussreiche Studien zur Institutionalisierung und Professionalisierung von Parlamenten sowie zu Lernprozessen von Abgeordneten, dass sich in Parlamente „kollektive Akteursqualitäten“ entwickeln, etablieren und durch individuelle Lernprozesse reproduzieren können. Die Präsenz eines über alle Parteigrenzen und Statusunterschiede hinausgehenden kollektiven Bewusstseins demokratisch gewählter Abgeordneten in der Form eines „Wir-Gefühls“ spiegelt sich unter anderem subtil in deren Reden und anderen Formen der politischen Kommunikation innerhalb und außerhalb des Parlaments wider. Dadurch kann in der politischen Kommunikation – ein normativ oftmals als problematisch angesehener – Abstand zwischen Wahlbevölkerung und Eliten entstehen. Andererseits können sich hieraus Ressourcen für effizientes und sachgerechtes Entscheiden auf parlamentarischer Ebene entwickeln, insbesondere wenn die Mehrheitsverhältnisse rein hierarchische und majoritäre Entscheidungsformen ausschließen.

Methodisch wird das Projekt Reden, parlamentarische Fragen und außerparlamentarische Äußerungen von Abgeordneten in den gesamtstaatlichen Parlamenten Deutschlands, Großbritanniens und Israels sowie ausgewählten regionalen Parlamenten Deutschlands und Großbritanniens quantitativ analysieren. Dabei sollen große Textmengen aus digitalisierten Parlamentsarchiven extrahiert, aufbereitet und analysiert werden. Hierzu wird auf Methoden der Computational Social Sciences zurückgegriffen. Ziel ist dabei zunächst die Entwicklung valider und reliabler Indikatoren zur Beschreibung von Unterschieden des Ausmaßes, in dem sich Abgeordnete auf Eigenschaften des Parlaments als kollektiver Akteur beziehen. Da Abgeordnete in einem komplexen und hierarchischen System organisatorischer und institutioneller Regeln agieren, sollen neben Unterschieden zwischen einzelnen Abgeordneten auch die Variation zwischen Parteien und Parlamenten in den Blick genommen werden. Die Analysen sollen einen Beitrag zur Erforschung der Autonomie von Abgeordneten und Parlamenten gegenüber Parteien und Wahlbevölkerung leisten, wobei unter anderem auf die empirische und normative Diskussion zu Repräsentationslücken im Verhältnis der Abgeordneten zu Wählerinnen und Wählern einerseits und ihren Parteien andererseits Bezug genommen wird. Danach sollen auf der Grundlage rationalistischer und soziologischer Ansätze des neuen Institutionalismus Erklärungsmodelle für die Unterschiede zwischen einzelnen Abgeordneten, Parteien, Parlamente und Perioden entwickelt, getestet und weiterentwickelt werden.
 
Area of research
Politikwissenschaft
Parlamentsforschung
 
Keywords
Parlamentsdebatten
Parlamentarische Anfragen
Quantitative Textanalyse
Deutscher Bundestag
Britisches Parlament
Britische Regionalparlamente
Landtage
Israelische Knesset
Großbritannien
Deutschland
Israel