Bellendorf, PaulPaulBellendorf0000-0002-6130-9672Tenschert, RuthRuthTenschert0000-0002-5624-78332026-05-112026-05-112026https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/115011In der Baudenkmalpflege wird großer Wert auf die Authentizität von Materialien und Werkstoffen gelegt. Leider betrifft dies bislang nicht das originale, verbaute klare Flach- oder Fensterglas. Je nach Zeitstellung wurde Flachglas nach unterschiedlichen Methoden hergestellt. Jede dieser Methode hat herstellungsbedingt ein Produkt mit anderen optischen Eigenschaften – man könnte auch sagen mit anderen Fehlern – hervorgebracht. Durch diese „Feature“ erzeugen Flachgläser – mit Ausnahme von poliertem Glas – bis zur Erfindung des nahezu perfekten Floatglas, in der Drauf- und Durchsicht Verzerrungen. Anhand dieser lässt sich ein Flachglas eindeutig einer Herstellungsmethode zuweisen. Diese Einordung bedarf aber viel Übung und ist gerade auch für Laien nur schwer nachvollziehbar. Fotografisch sind die unterschiedlichen Glasarten außerdem nur schlecht dokumentierbar. Die Universität Bamberg hat im Rahmen des DFG-geförderten Forschungsvorhabens „MatGlas“, das von 04/2021 bis 03/2024 zusammen mit der TU Dresden durchgeführt wurde, ein niedrigschwelliges, denkmalverträgliches Verfahren aus der industriellen Qualitätssicherung adaptiert. Mittels einer Punktlichtquelle und einer Projektionsfläche lassen sich die herstellungsspezifischen Eigenschaften im Flachglas sichtbar und dokumentierbar machen. Glas, welches über einen mundgeblasenen Zylinder, im Ziehprozess oder durch ein Gussverfahren (ohne anschließendes Polieren) hergestellt wird charakterisiert sich durch (minimale) changierende Dicken. Leuchtet man mit planparallelem Licht auf oder durch ein solches Glas, dann fungieren diese Unterschiede als lokale Sammel- oder Streulinsen. In der Reflektion und der Transmission entstehen so charakteristische Schattenbilder. Bei mundgeblasenen Scheiben sind dies beispielsweise „schlierige“ Strukturen, die keine Vorzugsrichtung aufweisen, wohingegen gezogene Gläser lineare, parallele Strukturen über die komplette Glasfläche aufweisen. Damit ist nun ein Verfahren verfügbar, um die Besonderheiten der historischen Verglasungen sichtbar zu machen und so den historischen Flachgläsern den verdienten denkmalpflegerischen Wert zukommen zu lassen. Denn, nur wenn in den Fassaden auch die historischen – in der Regel unperfekte – Glasflächen erhalten bleiben, bleibt der belebte Charakter der Fassaden erhalten.deuFlachglasBaudenkmalSchattenprojektion720Identifikation historischer Flachglas-Herstellungstechniken im Baudenkmal : Eine nicht-invasive Untersuchung mittels Punktlichtquelleconferenceobjecthttps://www.ndt.net/search/docs.php3?id=32781