Archvadze, MalkhaziMalkhaziArchvadze2026-07-172026-07-172026978-3-98989-118-0978-3-98989-119-7https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/110453Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2024Die Dissertation untersucht, wie die georgische Historiographie des 17. und 18. Jahrhunderts Iran darstellt und dabei ihr eigenes kulturelles Selbstbild konstruiert. Methodisch stützt sich die Arbeit auf die kulturwissenschaftliche Erzähltheorie, die sowohl die Ebene der Erzählung als auch die der Erzählstrategien in den Blick nimmt. Der Untersuchungszeitraum ist durch eine besonders intensive Phase der Kulturkontakte zwischen Iran und den ostgeorgischen Königreichen Kʾartʾli und Kaxetʾi geprägt. Im Zentrum stehen georgische Chroniken, die unter unterschiedlichen politischen und kulturellen Bedingungen entstanden. Die Analyse zeigt drei deutlich unterscheidbare Phasen: Pʾarsadan Gorgijaniże (17. Jh.): In seiner Chronik "Das Leben Georgiens" entwickelt der Autor – geprägt von seiner jahrzehntelangen Iran-Erfahrung und seiner Konversion zum Islam – ein weitgehend neutrales Fremdbild Irans und nutzt Erzählstrategien, die sich an der persischen Historiographie orientieren. Erste Hälfte des 18. Jh.: In den Chroniken von Mecʾnierni kacʾni (Gelehrte Männer), Vaxušti Batonišvili, Sexnia Čʾxeiże und der anonymen „Chronik von Paris“ rückt die christlich-georgische Identität in den Vordergrund. Iran erscheint nun als politische und kulturelle Bedrohung, und die Erzählstrategien kehren zur Tradition des Lebens Kʾartʾlis zurück. Zweite Hälfte des 18. Jh.: Mit dem politischen Aufstieg unter König Erekle II. und der Konsolidierung einer selbstbewussten georgisch-christlichen Kultur erreichen die Chroniken von Papuna Orbeliani und Oman Xerxeuliże erneut ein ausgewogenes Iran-Bild. Aus der Perspektive dieser Chroniken bestand keine Gefahr mehr, die georgisch-christliche Identität zu verlieren. So ist das Iran-Bild nicht mehr so negativ gefärbt, wie es früher der Fall war. Die Studie macht deutlich, dass sich die Wahrnehmung Irans – vom neutralen über das feindliche bis hin zum wieder neutralen Fremdbild – im Wechsel der historischen Konstellationen spiegelt. Zugleich verändern sich die narrativen Strategien parallel zu diesen kulturellen Kontaktphasen. Damit eröffnet die Dissertation eine neue Perspektive auf die iranisch-georgischen Kultur- und Politikbeziehungen und schließt eine bislang bestehende ForschungslückedeuDie persische und georgische HistoriographieIdentitätFremdheitErzähltheorie950Erzählen und Fremdheit : die Auseinandersetzung der georgischen Historiographie mit Iran im 17. und 18. JahrhundertNarrative and the Qμestion of the Stranger : The Discussion of Iran in Georgian Historiography of the 17th and 18th Centuriesdoctoralthesisurn:nbn:de:bvb:473-irb-110453x