Haug, MaximilianMaximilianHaug2026-01-272026-01-272026https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/112483Kumulative Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2025Soziale Medien haben den Informationsaustausch in unserer Gesellschaft grundlegend verändert. Nutzer interagieren täglich weltweit mit anderen Nutzern, ohne an physische oder zeitliche Barrieren gebunden zu sein (Karahanna et al. 2018). Das Aufkommen sozialer Medienplattformen hat die Kommunikation in zweierlei Hinsicht erschüttert. Erstens fand ein Strukturwandel in der Kommunikation statt. Soziale Medien führten eine Multiplexität in der Kommunikation ein, die den unmittelbaren Zugang und die Interaktion mit anderen Menschen kennzeichnet. Diese Form des Zugangs unterscheidet sich erheblich von der traditionellen Kommunikation. Soziale Medien ermöglichen beinahe uneingeschränkte Viele-zu-Viele-Verbindungen (Larson and Watson 2011; Treem and Leonardi 2012). Unterschiedliche Plattformen bieten beispielsweise Funktionen wie das „Folgen“ anderer Nutzer oder das Teilen von Inhalten, das sogenannte „Sharen“. Solche Funktionen ermöglichen es Nutzern, Kommentare in Echtzeit zu sehen und beliebte Nachrichten schnell zu verbreiten, was zu einer schnellen Informationsverbreitung führt (Venkatesan et al. 2021). Die Stärkung der Nutzer, und der damit eingehende Rollenwandel ist zentral für das Verständnis der modernen Kommunikation. Nutzer entwickeln sich vom passiven Informationskonsumenten zum aktiven Inhaltsverteiler. Daher beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Interaktion („Like, Comment, Share“) von Nutzern auf Social Media und verfolgt das übergeordnete Forschungsziel: Forschungsziel: Wie verändern soziale Medien die Kommunikation durch Nutzerinteraktion? Die Struktur der Arbeit baut auf einer Kaskade von Veränderungen Strukturen in der Kommunikation (Kapitel 1), hin zur Interaktion (Kapitel 2), und letztlich deren Auswirkungen auf den individuellen Nutzer (Kapitel 3). Das erste Kapitel der Arbeit fokussiert sich hierbei auf die strukturellen Veränderungen, die soziale Medien in der Kommunikation hervorgerufen haben. Hierbei werden insbesondere die sich veränderten Rollen der Nutzer, Plattformen, und traditionellen Nachrichten, sowie Meinungsführer eingegangen. Die Ergebnisse des ersten Kapitels zeigen, dass soziale Medien ihren Nutzern Handlungsspielraum bieten, aber auch erhöhte Verantwortung mit sich bringen. Nutzer haben ein hohes Potenzial, das Online-Informationsökosystem zu ihren Gunsten zu gestalten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Nutzer ihren Handlungsspielraum nicht ausreichend berücksichtigen, da ihr Verhalten hauptsächlich auf Heuristiken beruht, die auf der Wahrnehmung von Profilen basieren, die Inhalte teilen, an denen sie interessiert sind. Daher müssen sich Social-Media-Nutzer ihrer Verantwortung bewusstwerden, um ihren neu gewonnenen Handlungsspielraum effektiv zu nutzen. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Hauptfokus der vorliegenden Arbeit: Nutzerinteraktion. Hierbei wird auf Interaktion auf Social Media als Ganzes eingegangen, sowie auf Charakteristiken von Interaktion in Social Media Gruppen (z.B. Facebook Groups, SubReddits). Die Ergebnisse zeigen, wie die identifizieren drei Haupttypen von Accounts auf Social Media Interaktion beeinflussen. Die drei Typen sind: Nachrichtenmedien, Meinungsführer, und normale Nutzer. Hierbei zeigt sich, dass durch das Teilen der Inhalte und dem Fokus auf Heuristiken ein sogenannter „Messenger Effekt“ ausbildet. Der Account, der Inhalte teilt (und nicht der ursprüngliche Urheber), beeinflusst die Wahrnehmung je nach wahrgenommener Ähnlichkeit. Zusätzlich zeigt sich ein „Mixed-Actor-Amplification Effekt“, welcher zeigt, dass sollte der Urheber zusätzlich unähnlicher sein, steigt die Glaubwürdigkeit des Inhalts noch weiter an. Weiterhin zeigen die Ergebnisse eine gewisse Hierarchie der Einflüsse, ob Nutzer mit Inhalten interagieren. Bestätigungsfehler (Comfirmation Bias) und Ähnlichkeit bestimmen zwar die Grundlage der Wahrnehmung von Inhalten, können jedoch durch sozialen Druck überlagert werden. Entsprechend identifiziert diese Arbeit unterschiedliche Grundlagen, die zu sozialem Druck führen können, wie die Angst vor Isolation, Identität innerhalb der Gruppe, und soziale Unterstützung. Letztlich zeigen die Ergebnisse dazu, dass sogenannte Klick-Interaktion (z.B. „Liking“) niedrigschwellige Handlung darstellt, die häufig genutzt wird, um Zugehörigkeit zur Community zu signalisieren – auch ohne inhaltliche Zustimmung. Zusätzlich wird die Rolle des Themas der Inhalte beleuchtet. Während Kommentieren vom Thema und seiner Wichtigkeit abhängt, ist die Klick-Interaktion vor allem sozial motiviert. Im dritten Kapitel beleuchtet die Arbeit die negativen Seiten Auswirkungen von Social Media Interaktion. Hierbei liegt der Fokus auf Interaktion, welche Stress in Nutzern auslösen kann. Zwei Hauptursachen werden identifiziert: Erstens entsteht Stress in sozialen Gruppen durch soziale Überlastung, wenn Mitglieder aktiv Unterstützung leisten. Es zeigt sich, dass nicht die Erwartung, sondern das tatsächliche Unterstützen belastend wirkt. Zweitens können Interaktionsmetriken wie Likes und Kommentare Stress verursachen. Nutzer erwarten eine bestimmte Anzahl an Likes, um eine Interaktion als positiv zu werten. Wird diese Schwelle nicht erreicht, empfinden sie die Resonanz als negativ. Likes sind dabei zentraler Bewertungsmaßstab, während fehlende Kommentare weniger bedeutsam sind. Zur Stressbewältigung nutzen Nutzer verschiedene Strategien wie emotions- und problemorientierte Coping-Ansätze, sowohl online als auch offline. Negativ wahrgenommene Interaktionen lassen Emotionen wie Wut und Traurigkeit entstehen. Diese spiegeln das Missverhältnis zwischen Erwartung und Realität wieder. Während wutbasierte Strategien kaum entlastend wirken, fördern traurigkeitsbasierte Ansätze häufig weiteres Engagement – etwa durch neue Beiträge oder Interaktionen. Die Arbeit zeigt damit, dass selbst negative Emotionen zu verstärkter Social Media-Nutzung führen können. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der normale Nutzer auf Social Media eine bedeutendere Rolle in der modernen Kommunikation zufällt. Als Aktiver Verteiler von Inhalten durch Interaktion müssen sich Nutzer ihrer neuen Freiheiten und Verantwortungen stellen, um für sich, wie auch für die Gesellschaft eine nachhaltige und belastbare Informationsumgebung zu schaffen.engSocial MediaInteractionCommunicationCommunities330Interaction as Power and Responsibility : How Social Media Reshapes User Roles and Communication Patternsdoctoralthesisurn:nbn:de:bvb:473-irb-112483x