Schweikart, Sonja MariaSonja MariaSchweikart2026-02-252026-02-252026978-3-98989-072-5978-3-98989-073-2https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/110292Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2025Schule und Kinder- und Jugendhilfe sind eigenständige Bildungsinstitutionen, die einen bedeutsamen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern ausüben und folglich deren zukünftige Lebensgestaltung maßgeblich beeinflussen. Wie die Ergebnisse der PISA-Studien gezeigt haben, ist der Bildungserfolg in Deutschland nach wie vor stark an ökonomische Ressourcen und familiäre Herkunft gekoppelt. Vor diesem Hintergrund wurde ein Forschungsprojekt initiiert, das ein Modellprojekt im Bereich der Ganztagsbildung unter Gerechtigkeitsaspekten analysiert. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die theoretische Analyse eines Ganztagsprojekts. Die Untersuchung widmet sich der Frage, wie die Kooperation zwischen staatlicher Grundschule und kommunaler Kinder- und Jugendhilfe aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive angemessen beschrieben werden kann. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Bildungsgerechtigkeit und der Förderung des Wohlergehens von Kindern. Die Analyse und die sich daraus ergebenden Implikationen erfolgten unter Zuhilfenahme des Befähigungsansatzes von Martha C. Nussbaum. Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte um Bildungsgerechtigkeit leisten. Zur Bearbeitung der Fragestellung wurde ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der hermeneutisch ausgerichtet ist. Am Beispiel der Münchner Kooperativen Ganztagsbildung wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungssysteme exemplarisch untersucht. Dabei wird der Capabilities Approach von Martha C. Nussbaum als Analyseinstrument verwendet, um die Ausbildung der von ihr definierten zehn Fähigkeiten für ein gutes Leben zu untersuchen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf kindgerechte und gedeihliche Möglichkeitsräume gelegt. Die Theorie von Martha C. Nussbaum legt nahe, die Mechanismen zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit in ihrer Vielfalt in den Blick zu nehmen. Konkret wurde die Kooperative Ganztagsbildung unter Anwendung des Capabilities Approach anhand der Terminologie und der zehn Grundfähigkeiten dargestellt, anschließend analysiert und schließlich die darüber hinausgehenden Potenziale aufgezeigt. Die Analyse führte zu vier zentralen Ergebnissen. Erstens sollte das Kindeswohl im Mittelpunkt stehen und nicht die Systemlogik. Zweitens hat die Analyse der unterschiedlichen Systemlogiken von Schule und Kinder- und Jugendhilfe vier Friktionen identifiziert: Personal, Finanz- und Leitungsstrukturen sowie Selbstverständnis. Drittens wurde festgestellt, dass die Eigenlogiken und Anforderungen von Bildungssystemen in der Erziehungswissenschaft bisher kaum berücksichtigt werden. Ein interdisziplinäres Analyseinstrument mit dem Fokus auf das Kindeswohl ist daher wichtig. Viertens wird evident, dass der Capabilities Approach ein geeignetes Analyseinstrument ist, um Bildungsungerechtigkeit zu identifizieren. Er ermöglicht es, spezifische Kriterien abzuleiten und Anforderungen an die Lernumgebung zu operationalisieren, um einer willkürlichen Interpretation und Umsetzung vorzubeugen. Die Analyse unterstreicht die Dringlichkeit, Bildungs- und Sozialpolitik als Einheit zu betrachten, das Kind in den Mittelpunkt allen Denkens und Handelns zu stellen und eine gemeinsame Bildungs- und Sozialverantwortung zu fördern. So könnte ein modernes Familien- und Kommunikationszentrum, ein Family Community Centre (FCC), entstehen, das den Bemühungen um mehr Bildungsgerechtigkeit Rechnung trägt.deuCapabilities ApproachMatha C. NussbaumSchuleKinder- und JugendhilfeBildungsgerechtigkeitKindeswohlGanztagsschuleGanztagsbildung370300Zum Leben befähigen : eine Analyse der Kooperativen Ganztagsbildung mit Hilfe des Capabilities Approach von Martha C. Nussbaumdoctoralthesisurn:nbn:de:bvb:473-irb-110292x