Bennewitz, IngridIngridBennewitz2019-09-192015-07-131996978-3-476-01423-8https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/31416Als ein wesentliches Charakteristikum der deutschen Literatur des Mittelalters gilt ihre grundsätzliche Nähe zur Didaxe.2 Dazu tritt die nicht zuletzt durch die hohe Zahl der erhaltenen Handschriften (und Drucke) nachhaltig demonstrierte Beliebtheit von Werken, die sich eindeutig als didaktische verstehen, mithin also jene Form des ›Lehrgedichts‹ repräsentieren, das der Neuzeit als poetologisches und ästhetisches Grenzphänomen gelten sollte.3 An der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Didaxe läßt sich deutlich ein bewußtes ›gendering‹ von Literatur erkennen, und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen zeigt sich in einigen Fällen die Tendenz zur geschlechtsspezifischen Adressierung an ein männliches oder weibliches Publikum. Als Paradebeispiel dafür kann der Fall des ›Wins- becken‹ bzw. der ›Winsbeckin‹ herangezogen werden.4 Die beiden Werke fingieren Lehrgespräche zwischen Vater und Sohn, respektive Mutter und Tochter mit gänzlich unterschiedlicher Ausrichtung.5 — Ein vergleichbarer Fall wird vom Erzähler im ›Ritter vom Tum‹ zumindest konstruiert, und zwar mit der Erwähnung eines zweiten, seinen Söhnen gewidmeten Werkes, das er — dem Vorwort zufolge — angeblich parallel zu diesem Lehrbuch für seine beiden Töchter verfaßt habe (eins seinen sünen! das ander seinen tcechtern zuo underweisung). Weder die romanische noch die deutsche Überlieferungsgeschichte können diese Aussage belegen; spekuliert wurde immerhin darüber, ob der Roman ›Pontus und Sidonia‹ dieses vermißte Gegenstück sein könnte.deuKörperDer Körper der Dame : zur Konstruktion von "Weiblichkeit" in der deutschen Literatur des Mittelaltersbookpart10.1007/978-3-476-05562-0_13